Die Kathedrale von Chartres - Verborgene Botschaften der Gotik
Shownotes
Verborgene Botschaften der Gotik
Stell dir vor, du stehst im geheimnisvollen Labyrinth der Kathedrale von Chartres. Farbige Lichtstrahlen fallen durch jahrhundertealte Fenster, geometrische Muster ziehen sich durch Stein und Glas – und überall scheint sich eine verborgene Ordnung zu zeigen, die weit über reine Architektur hinausgeht.
In dieser Episode nehmen wir dich mit auf eine faszinierende Reise hinter die Mauern einer der berühmtesten Kathedralen Europas. Wir erkunden die Geschichte von Chartres – von ihren mittelalterlichen Baumeistern über die außergewöhnliche Symbolsprache der Gotik bis hin zu den Rätseln, die Forscher, Historiker und spirituell Interessierte bis heute beschäftigen.
Dabei sprechen wir über die Verbindung von Geometrie, Astronomie und sakraler Architektur, über das berühmte Labyrinth im Boden der Kathedrale und über die Frage, warum Chartres seit Jahrhunderten als besonderer Kraft- und Resonanzort gilt. Wir werfen einen Blick auf alte Überlieferungen über vorchristliche Kultstätten, entschlüsseln mathematische Proportionen und zeigen, weshalb Licht im Mittelalter als sichtbarer Ausdruck göttlicher Ordnung verstanden wurde.
Chartres ist mehr als ein historisches Bauwerk. Die Kathedrale wirkt wie ein steinernes Gedächtnis Europas – voller Symbole, Ideen und verborgener Bedeutungen. Begleite uns auf eine Entdeckungsreise durch eine Welt, in der Wissenschaft, Spiritualität und Baukunst noch untrennbar miteinander verbunden waren.
Bei Zeitblicke entdecken wir die großen Ideen, Bauwerke und Geschichten vergangener Jahrhunderte. Folge dem Podcast, um keine Episode zu verpassen.
Diese Episode basiert auf dem Buch von Sonja Ulrike Klug: Chartres kompakt. Die gotische Kathedrale im Überblick. Kluges Verlag, 2022 (Paperback, E-Book)
<https://www.amazon.de/dp/3981024583>
Weitere spannende Bücher von Sonja Ulrike Klug über die Welt der Kathedralen und andere geschichtliche Themen:
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Transkript anzeigen
00:00:00: Stell dir mal vor, du stehst mitten im Fußboden einer riesigen französischen Kathedrale aus dem dreizehnten Jahrhundert.
00:00:08: Und du bist da umgeben von so einem Labyrinth aus hellem und dunklem Stein!
00:00:13: Und in diesem Steinboden verbirgt sich ein mathematischer Code, der einfach mal exakt die irrationale Zahl Pi berechnet.
00:00:22: Ja das ist unglaublich!
00:00:23: Das verrückteste daran ist ja die Baumeister, die das vor achthundert Jahren dort eingelassen haben, die hatten überhaupt keine Baupläre also keine digitalen Modelle gar nichts.
00:00:33: Die nutzten eine Geometrie, die sich quasi direkt aus der Beobachtung der Sterne und den musikalischen Harmonien des Universums abgeleitet.
00:00:43: Und man muss halt auch bedenken, die bauten das nicht einfach nur als so eine Art intellektuelle Spielerei da ein.
00:00:49: Also jeder Winkel wirklich jede Proportion dieses Gebäudes wurde als ein akustischer und visueller Resonanzraum konstruiert.
00:00:56: Richtig!
00:00:57: Das gesamte Wissen der damaligen Welt speichern sollte sondern den Menschen der da reingeht ja psychologisch und physisch verändern sollte.
00:01:08: Genau.
00:01:10: Und damit herzlich willkommen zu unserer neuen tiefgreifenden Analyse.
00:01:14: Wir blicken heute für dich hinter die dicken Steine der Kathedrale von Chartres, wir lassen dieses alte Bild der angestaubten statischen Kirche einfach mal hinter uns!
00:01:23: Absolut, ja.
00:01:24: Wir untersuchen heute ein Bauwerk das vielmehr eine Maschine zur Bewusstseinsveränderung ist und um diese enorm komplexen Mechanismen aufzuschlüsseln stützen wir uns heute auf die Erkenntnisse aus dem Buch von Sonja Ulrike Klugchartriss Kompakt einem kompakten Führer durch die Kathedrale von Chartres.
00:01:41: Das geht nämlich weit über das übliche kunsthistorische Maß hinaus.
00:01:46: Wir sehen uns an, wie heidnische Wasserkulte die Grundmauer bildeten.
00:01:52: Wie ein wirklich verheerendes Feuer den Sprung vom dunklen Bunker zum Tempel aus Licht erzwangen und wie die Architektur des Mittelalters kosmische Rhythmen quasi in Materie übersetzt
00:02:04: hat.".
00:02:04: Weißt du, der Schlüssel zum Verständnis von Chartres liegt eigentlich darin dass diese Kathedrale im Gegensatz zu fast allen anderen großen europäischen Gotteshäusern aus der Zeit den tut eben nicht in den Mittelpunkt stellt.
00:02:17: Okay wie meinst Du das genau?
00:02:18: Naja, wenn du jetzt zum Beispiel nach Sandinio oder nach Räms gehst dann findest du da überall Königsgräber.
00:02:24: Ah ja stimmt!
00:02:25: Da
00:02:25: gibt es Darstellungen von Materien also diese ständige Präsenz der Vergänglichkeit des Todes.
00:02:31: In Schadriss hingegen gibt es überhaupt keine Gräber von Königinnen oder Bischöfen im Hauptschiff Keine einzigen
00:02:37: Wahnsinn.
00:02:37: Die gesamte Ausrichtung Also wirklich von den unterirdischen Wasseradern bis ganz hoch zur Spitze der Türme das alles zelebriert das Leben Das Gebären und die spirituelle Erneuerung.
00:02:48: Das ist ein völlig anderer Ansatz.
00:02:50: Dass es einen Superpunkt um direkt mal rein zu starten, weil um eine Gebäude zu begreifen dass den menschlichen Geist so nach oben ziehen will müssen wir logischerweise zuerst ganz nach unten gehen.
00:03:02: Genau in die Erde!
00:03:03: Richtig
00:03:04: Die Gotik mag zwar immer in den Himmel streben, aber das Fundament von Schadre reicht in eine Zeit, in der das Christentum in dieser Region noch nicht einmal ein Gerücht war.
00:03:14: Das Gelände war nämlich ein zentrales Heiligtum des kältischen Stammes der Carnuten!
00:03:18: Ja, das ist wirklich faszinierend... die Droiden also quasi die intellektuelle und spirituelle Elite der Kälten damals versammelten sich genau dort auf diese Anhöhe.
00:03:29: Und das taten sie natürlich nicht aus Zufall.
00:03:32: Solche Orte wurden aufgrund ihrer topografischen und – wie man damals zumindest festglaubte – energetischen Eigenschaften ausgewählt.
00:03:41: Und im Zentrum dieses ganzen kältischen Kultes stand die Verehrung einer Virgo paritura, also einer Jungfrau, die gebären wird.
00:03:48: Das ist halt ein unfassbar spannendes Konzept!
00:03:52: Man neigt ja da mega schnell dazu das als so eine Art Vorab-Kopie der christlichen Maria abzutun oder?
00:03:58: Ja total aber das greift zu kurz.
00:04:01: eben
00:04:02: Weil im duidischen Kontext geht es hier um eine reine Erdkraft, richtig?
00:04:07: Es ist so diese ungebändigte weibliche Natur die das Leben quasi aus der Dunkelheit des Winters oder eben der Erde hervorbringt.
00:04:16: Ganz genau!
00:04:16: Und
00:04:16: die frühe Kirche kam dann später nicht einfach mit dem Schwert in diesem Kultplatz den Erdboden gleich zu machen sondern sie haben diese tief verwurzelte spirituelle Infrastruktur einfach assimiliert
00:04:28: und das war ein Extrem kluger, strategischer Zug von der Kirche.
00:04:34: Man zerstörte diese matriarchale Energie des Ortes überhaupt nicht?
00:04:38: Man gab ja einfach nur ein neues Gewand!
00:04:41: Das wird sogar bis heute unten in der Krypta von Schachtres sichtbar.
00:04:45: Dort wird nämlich eine schwarze Madonna verehrt die Notre-Dame de Soutère und die ursprüngliche Figur aus Birnbaumholz, die leider in der französischen Revolution verbrannt wurde, die trug eine Krone aus Eichenblättern.
00:04:58: Eichenlaub!
00:05:00: Das ist doch das unverkennbare Insigenier der Druiden, oder?
00:05:03: Absolut.
00:05:04: Ein direkter Verweis auf die kältischen Wurzeln.
00:05:07: Aber noch viel greifbarer als das Holz ist dort unten eigentlich das Wasser.
00:05:12: In der Krypta befindet sich nämlich der Brunnen des starken Heiligen – also Lipidus Sains For.
00:05:17: Ein Schachter wenn ich das richtig im Kopf habe ganze dreiunddreißig Meter tief in die Erde reicht.
00:05:22: Ja exakt
00:05:23: Das bildete quasi das architektonische Epizentrum der alten Kulte.
00:05:28: Und das muss man sich mal rein praktisch vorstellen für dich als Zuhörer, dass Wasser in diesem Brunnen galt als stark heilend!
00:05:35: Pilger kamen im Mittelalter nicht nur dorthin um mal eben kurz ein Gebet zu sprechen... Genau die stiegen in diese extrem dunkle feuchte Krypta hinab und vollzogen da eine Art Inkubation.
00:05:48: Also die tranken das Wasser und blieben teilweise neun Tage und Nächte da unten.
00:05:53: Wahnsinn,
00:05:53: oder?
00:05:53: Ja total!
00:05:54: Das ist ja quasi eine Form von sensorischer Deprivation.
00:05:58: Und gepaart mit diesem extrem fokussierten Glauben musste das körperliche Reaktion hervorrufen.
00:06:04: Auf jeden Fall – und diese ohne Himm schon krasser Anziehungskraft des Ortes, die potenzierte sich dann im Jahr eighteenhundertsechsen-siebzig nochmal geradezu explosionsartig.
00:06:14: Was ist da passiert?
00:06:15: Eine Reliquie direkt von Konstantinopel nach Schartras, die sogenannte Kamisia.
00:06:21: Das ist ein Schleier, von dem man damals festglaubte dass Maria ihn bei der Verkündigung oder sogar bei der Geburt Christi getragen habe.
00:06:29: Okay wow!
00:06:30: D.h.
00:06:31: plötzlich hatte Schatris nicht mehr nur diesen alten Heilbrunnen der Kelten sondern einfach das ultimative christliche Textil
00:06:40: Ganz genau.
00:06:41: Und die Massen, die ohnehin auf dem Jakobsweg unterwegs waren, machten hier Station.
00:06:46: Die psychologische Macht von dieser Reliquie war so immens groß dass Bischof Ganselm sie im Jahr neunhundert elf bei einer Belagerung durch die Wikinger unter Rollo auf der Stadtmauer wie eine Standarte entrollte.
00:06:59: Und was ist passiert?
00:07:00: Die Wikinger zogen sich tatsächlich zurück.
00:07:02: Ernsthaft wegen eines Schleiers?
00:07:05: Ja für die Menschen des Mittelalters war das der.
00:07:15: Das ist krass.
00:07:16: Aber dieser massive Pilger zu Strom schuf natürlich auch ein ganz pragmatisches Problem, ne?
00:07:22: Ja, Platz.
00:07:22: Genau!
00:07:23: Der Platz reichte einfach hinten und vorne nicht mehr... ...und deshalb baute Bischof Fulbert im elften Jahrhundert eine wirklich gewaltige romanische Basilika.
00:07:32: Wir sprechen hier von der typischen Romanik Also
00:07:35: schwer und dunkel Richtig
00:07:37: Schwere extrem drückende Tonnengewölbe Metadicke Wände die man brauchte um dieses immense Gewicht des Daches irgendwie zu tragen Und dazu winzige Fenster die den Raum wie so'ne gedrungene Festung Gottes wirken ließen.
00:07:51: Aber genau diese Festung bot dann den perfekten Nährboden für die wohl folgenreichste Zäsur in der gesamten Geschichte.
00:08:21: Die prachtvolle Oberkirche von Fulbert lag komplett in Trümmern, das Blei-Schmolzregelrecht von den Dächern.
00:08:27: Und die Menschen dachten wirklich der göttliche Schutz sei erloschen dass Maria Schardriss einfach den Rücken gekehrt habe.
00:08:35: Damit schien ja auch die wirtschaftliche und spirituelle Grundlage der gesamten Region von heute auf morgen vernichtet zu sein.
00:08:41: Genau da genau an diesem Tiefpunkt inszeniert sich ein Moment der fast schon Zu perfekt wirkt, um überhaupt wahr zu sein.
00:08:49: Also drei Tage lang lodern da die Trümmer – Die Verzweiflung der Menschen ist auf dem absoluten Höhepunkt und plötzlich steigen Priester aus der völlig unversehrten unterirdischen Lobinus-Gruft auf Und sie tragen die intakte Reliquie also diesen Schleier der Maria einfach vor sich her.
00:09:10: Wie durch ein Wunder Genau!
00:09:12: Die hatten sich hinter irgendwelchen eisernen Falltüren verschanzt.
00:09:16: Und da muss man schon sagen, Historiker und Theologen streiten bis heute darüber ob dieses Feuer nicht bemerkenswert kalkuliert ablief.
00:09:25: Ja diese Verschwörungstheoriken kenne ich.
00:09:28: Ist ja auch logisch!
00:09:29: Die mächtige Westfassade die erst kurz zuvor im neuen frühgotischen Stil errichtet worden war?
00:09:37: Die blieb wie durch ein Wunder stehen... Und dann war da auch noch ganz zufällig ein Kardinallegat des Papstes anwesend.
00:09:44: Praktisch!
00:09:45: Sehr praktisch, der rief die Massen nämlich sofort zu einem gewaltigen völlig neuartigen Neubau auf.
00:09:53: Das klingt schon fast so als hätte da jemand sein altes romanisches Handy aus Versehen fallen lassen nur um das neuste gotische Modell zu bekommen weißt du?
00:10:01: Also man kann da schon etwas drüber schmunzeln.
00:10:04: ja Und selbst das Buch greift diese Spekulationen auf, dass da vielleicht nachgeholfen wurde.
00:10:10: Aber selbst wenn man diese bewusste Brandstiftung jetzt mal als Spekulation betrachtet bleibt ja die Tatsache bestehen, dass das Feuer das perfekte Vaku umschuf.
00:10:20: Wie meinst du das?
00:10:21: Es lieferte quasi die theologische und emotionale Legitimation für einen absoluten architektonischen Quantensprung!
00:10:29: Man wollte diese dunkle gedrungene Schwere der Romanik endlich abwerfen.
00:10:34: Der Übergang zur Gotek war ja nicht bloß so ein kleines Update der Ingenieurskunst.
00:10:38: Es war der sichtbare Ausdruck einer völlig neuen Philosophie, die extrem stark von Dionysius Ariopagita geprägt war und seine Lehre besagte – stark vereinfacht natürlich?
00:10:51: Gott ist Licht!
00:10:54: Je mehr Licht in einen Raum fällt, desto präsenter ist das Göttliche in diesem
00:10:58: Raum.".
00:10:59: Und genau hier greift dann diese Mechanik der gotischen Revolution Weil um extrem viel Licht hereinzulassen, brauchte man logischerweise gigantische Fenster.
00:11:09: Genau!
00:11:10: Aber in der Romanik trugen ja die massiven Wände das ganze Gewicht von diesem Steindach.
00:11:15: Nimmt man da jetzt die Wand weg, um ein Fenster einzubauen stürzt sofort alles ein.
00:11:20: Richtig – Das war das statische Problem.
00:11:23: Und die Baumeister-Inchartres perfektionierten deshalb eine völlig neue Technologie.
00:11:28: Das Kreuzrippengewölbe in Kombination mit den äußeren Strebebögen.
00:11:33: Das ist total faszinierend.
00:11:35: Die verlagerten die statische Stütze des Gebäudes wie eine Art Exoskelett nach außen.
00:11:42: Einfach mal vor wie Beine einer riesigen Spinne, die das Gebäude von außen stützen und den ganzen seitlichen Schub der dicken Steingewölbe in den Erdboden ableiten.
00:11:52: Und
00:11:52: genau durch diese Auslagerung der Stadik wurden die Zwischenräume der Wände plötzlich ihrer tragenden Funktion enthoben.
00:11:59: Die massiven Mauern konnten quasi förmlich aufgelöst werden und durch riesige leuchtende Glasflächen ersetzt werden.
00:12:06: Und was für Glasfläche?
00:12:07: Ja!
00:12:08: In Chartres sind das über hundertseptzig riesige Fenster der Öffnungen, durch die dieses berühmte in seiner chemischen Zusammensetzung bis heute nicht vollständig entschlüsselte schachtrissblau strahlte.
00:12:20: Und stell dir jetzt mal vor du wärst im dreizehnten Jahrhundert ein einfacher Bauer.
00:12:24: Dein Alltag besteht eigentlich nur aus Ruß, Lehmhütten und Halbdunkel.
00:12:28: Ja!
00:12:29: Und dann betrittst du plötzlich einen siebzig Meter langen und fast vierzig Meter hohen Raum, der komplett von farbigem Licht durchflutet ist.
00:12:36: Da standest Du physisch im himmlischen Jerusalem.
00:12:39: Das war im Grunde die virtuelle Realität des Mittelalters.
00:12:43: Absolut!
00:12:44: Und diese Vision, dieses unglaubliche Ziel motivierte die Menschen ja zu einer Kraftanstrengung – die fast schon beängstigend ist wenn man darüber nachdenkt.
00:12:53: In nur sechsundzwanzig Jahren also von elfhundertvierneinzig bis zwölfhundertzwanziger haben sie diese Kathedrale komplett hochgezogen.
00:13:01: Eine Rekordzeit für damals?
00:13:03: Ja Es entstand da der sogenannte Kult der Karren.
00:13:06: Adlige Händler, einfache Bauern, die spannten sich alle selbst wie Zugtiere vor diese Karren um die tonnenschweren Steine aus dem zwölf Kilometer entfernten Steinbruch herbeizuziehen.
00:13:18: Das war eine kollektive Extase, die nur von diesem einen Wunsch getrieben war dieses vollkommene Bauwerk zu erschaffen.
00:13:25: und man muss halt dazu sagen Vollkommen bedeutete in der sogenannten Schule von Chartres etwas sehr spezifisches.
00:13:33: Was genau?
00:13:34: Diese Schule war im elften und zwölften Jahrhundert das intellektuelle Zentrum Europas, die gelehrten dort Trenden überhaupt nicht zwischen Theologie auf der einen und Naturwissenschaft auf der anderen Seite – so wie wir das heute machen!
00:13:49: Okay, das war also alles eins für
00:13:50: die?!
00:13:51: Ganz genau….
00:13:52: Die widmeten sich dem Quadrivium, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.
00:13:59: Sie folgten stark den Ideen von Platon, der glaubte, der Kosmos sei nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet.
00:14:06: Ah!
00:14:06: Ich verstehe...
00:14:08: Wer also auf Erden ein Gebäude baut, das exakt den harmonischen Proportionen des Universums entspricht?
00:14:15: Der baut eigentlich einen Resonanzkörper, der die Seele des Besuchers quasi automatisch in Einklang mit der göttlichen Ordnung bringt.
00:14:23: Das heißt, wir sprechen hier nicht von irgendwelchen netten abstrakten Metaphern.
00:14:28: Diese kosmische Resonanz wurde buchstäblich in den Stein gemeißelt.
00:14:33: Nehmen wir mal die Ausrichtung des Gebäudes – das finde ich mega spannend!
00:14:37: Fast alle christlichen Kirchen sind ja exakt nach Osten, also zum Sonnenaufgang hinorientiert.
00:14:43: Schadriss durchbricht diese eiserne Regel einfach komplett?
00:14:46: Ja, das ist sehr ungewöhnlich.
00:14:48: Die Lenksachse weicht ab und zeigt etwa dreiundvierzig Grad nach Nordost.
00:14:52: Und warum?
00:14:53: Man richtete diese gigantische Struktur einfach nicht nach der Sonne, sondern nach dem Mond aus.
00:14:59: Die Achse entspricht präzise dem achtzehn-kommasächsjährigen Mondknotenumlauf.
00:15:05: Das ist ein astronomisches Detail das enormes Wissen erfordert!
00:15:09: Die Umlaufbahn des Mondes ist ja leicht gegen die Erdbahngeneigt und die Schnittpunkte dieser Bahnen sind die sogenannten Mondknoten – die wandern und vollenden alle achtzehnt Komma sechs Jahre einen ganzen Zyklus.
00:15:21: Wahnsinn dass die
00:15:22: Baumeister, die Kathedrale ausgerechnet auf den extremsten nördlichen Mondaufgang in diesem Zyklus ausrichteten.
00:15:30: Das zeigt eindrucksvoll wie diese vorkristliche kältische Prägung dort immer noch nachwirkte
00:15:37: Weil der Mond für das Weibliche steht.
00:15:39: Genau!
00:15:40: Der Mond ist mythologisch – das Symbol des Weiblichen, des Wassers und der gebärenden Energie.
00:15:47: Die Virgo Paritura, der Droiden über die wir anfangen sprachen, diktierte also noch Jahrhunderte später die Ausrichtung dieser christlichen Architektur.
00:15:56: Krass!
00:15:57: Aber die absolute Meisterleistung der Geometrie entfaltet sich ja auf den Boden des Hauptschiffs im berühmten Labyrinth von Chartres.
00:16:04: Ohja...
00:16:05: Es ist ein unfassbar komplexes, verschlungenes Muster aus Stein.
00:16:09: Etwas über zwölf Meter im Durchmesser und es ist eben kein Irrgarten!
00:16:14: Es gibt keine Sackgassen nur einen einzigen langen verschlungenen Weg in die Mitte.
00:16:19: Und in genau diesem Weg liegt ein mathematisches Rätsel.
00:16:23: Das Labyrinth hat dreiunddreißig konzentrische Wendungen und wird außen von einer Bohrdüre aus hundert vierzehn Zacken eingerahmt
00:16:31: Und da wird die Mathematik extrem spannend.
00:16:33: Wenn man nämlich den Bereich des Eingangs abzieht, bleiben exakt hundertdreizehn äußere Zacken übrig.
00:16:39: Okay.
00:16:40: Hundertdreizehn?
00:16:41: Und wenn wir das jetzt in den Kontext des zuvor erwähnten Mondkalenders setzen... Ein Mondjahr hat grob dreihundertfünfundfünfzig Tage.
00:16:49: Teilt man jetzt diese dreihundertfünfundfünfzichtage durch die hundert dreizehn Zacken des Labyrinths erhält man drei Komma eins vier eins fünf neun.
00:16:58: Das ist Pi!
00:16:59: Genau Es ist exakt die Kreißzahl.
00:17:01: Pi berechnet auf fünf Nachkommastellen genau.
00:17:04: Eine absolute Konstante, die das Verhältnis des Kreisumfangs zum Durchmesser beschreibt und die ist einfach eingebettet in den Fußboden einer mittelalterlichen
00:17:13: Kirche.".
00:17:14: Da stellt sich Mirna natürlich sofort die brennende Frage – wie haben sie das gemacht?
00:17:19: Ich meine….
00:17:20: Die Baumeister des frühen dreizehnten Jahrhunderts hatten keine Taschenrechner Die hatten kein Käd und sie hinterließen uns auch keine detaillierten architektonischen Blaupausen.
00:17:30: Nein, überhaupt nicht!
00:17:31: Die arbeiteten mit Zirkel, mit Winkelmaß und einem einfachen Knotenseil das im goldenen Schnitt unterteilt war.
00:17:38: Die haben die Proportionen nicht am Schreibtisch auf dem Papier abgeleitet sondern die komponierten diesen riesigen Raum dynamisch direkt vor
00:17:46: Ort.
00:17:46: Das ist unvorstellbar.
00:17:48: Es gab da den Architekturtraktat von Vitruv aus der Antike, der im Mittelalter wieder entdeckt wurde.
00:17:54: Der sprach ganz viel von Symmetrie und Proportionen.
00:17:57: Und die Baumeister in Chartris, die setzten diese Ideen direkt in musikalische Intervalle um.
00:18:03: Wie kann ich mir das vorstellen?
00:18:04: Naja der goldene Schnitt also die Proportioneinz Komma Sechs Eins Acht, der durchzieht den gesamten Grundriss.
00:18:10: Das Längenverhältnis vom Lenkschiff zum Querschiff bildet zB eine musikalische Quinte ab.
00:18:16: Also das Verhältnis drei Punkt zwei Und die Breite des Mittelschiffs zur Gesamtbreite des Langhauses formt eine Octave, also eins zu zwei.
00:18:25: Wenn heute ein Chor in Schachtriss singt werden die Schallwellen von einem Gebäude reflektiert dessen physische Struktur exakt den selben harmonischen Gesetzen gehorcht wie die Musik selbst.
00:18:35: Schattriss ist quasi gefrorene Musik.
00:18:38: Gefrorene Musik?
00:18:40: Das ist ein tolles Bild!
00:18:42: Und das ist ja auch der Punkt, an dem moderne Wissenschaft und alte Überlieferungen sich extrem dicht aneinander reiben.
00:18:49: Es gibt ja Menschen die versuchen diese wirklich spürbare Energie des Ortes heute noch greif da zu machen.
00:18:56: Ja?
00:18:56: Die Geobiologie zum Beispiel?
00:18:58: Genau!
00:18:59: Die Geobiologin Blanche Merz.
00:19:02: Ihre Ansätze liegen im Bereich der sagen wir mal umstrittenen Radiestesie oder Erdstrahlenforschung und hat die Kathedrale ausgiebig untersucht.
00:19:11: Aus dieser geobiologischen und zugegeben esoterischem Sicht treffen sich genau unter dem Chor der Kathedrale, also wo sich eins dieser alte Heilbrunnen befand, vierzehn unterirdische Wasseradern.
00:19:24: Ja das ist eine extrem interessante Perspektive!
00:19:26: Und man muss jetzt diese Messmethoden der Geobiologie mit der sogenannten Bovis Scala aus streng wissenschaftlicher Sicht gar nicht zwingend als objektiven Fakt akzeptieren.
00:19:37: um den Kern der Aussage zu verstehen
00:19:39: Wie meinst du das?
00:19:40: Die Messungen von Merz weisen darauf hin, dass direkt in Zentrum des Labyrinths ein absoluter energetischer Höhepunkt herrscht.
00:19:47: Während die Energie auf den letzten Wendungen des Weges davor drastisch abfällt.
00:19:52: Okay und was bedeutet das?
00:19:54: Psygologisch
00:19:54: besiehen ergibt es perfekten Sinn.
00:19:57: Das Labyrinth zwingt den Pilger auf einen extrem langen meditativen Weg.
00:20:02: Der energetische Abfall davor symbolisiert den Kampf mit den eigenen Schatten dem inneren Minotaurus.
00:20:07: quasi Erreichst du schließlich die Mitte, also das Zentrum der Rosette dann fällt genau dort das Licht der großen westlichen Fensterrosette auf dich.
00:20:17: Wow!
00:20:18: Du hast die Dunkelheit durchschritten und wirst dort symbolisch neu geboren.
00:20:22: Wir sehen hier eine wirklich durchgehende tausendjährige Kette von Ursache und Wirkung wenn man das mal zusammenfasst
00:20:30: Absolut.
00:20:32: Die Kelten identifizierten einen natürliche Anomalie Ein Ort des Wassers und dieser gebehrenden Energie.
00:20:38: Das Wasser zog kranke Pilger an, die eine gewaltige romanische Krypta notwendig machten.
00:20:45: Dann kam die Reliquier des Marienschleiers und verwandelte den Ort in ein riesiges europäisches Zentrum des Glaubens.
00:20:51: Und dann das Feuer?
00:20:53: Genau!
00:20:53: Als das Feuer die schwere Architektur zerstörte, nutzten die Gelehrten ihren Jahrhunderten gewachsenes Wissen über kosmische Harmonien, das Quadrivium- und sakrale Geometrie um quasi die Schwerkraft zu besiegen Die Gossen, die Bahnen des Mondes und die Frequenzen von Schallwellen einfach in Stein und in dieses farbige Licht um eine psychologische Transformationsmaschine zu bauen.
00:21:18: Besser kann man es kaum zusammenfassen.
00:21:20: Chartres ist der ultimative Beweis dass Architektur eben niemals nur ein funktionaler Container ist indem wir uns aufhalten.
00:21:27: Ja Wenn Mathematik, Philosophie, Handwerk und so ein tiefer Glaube an die universelle Ordnung zusammenfließen dann entsteht ein Raum der direkt mit der Psyche des Menschen interagiert.
00:21:39: Ein Gebäude das nicht den Verstand anspricht sondern direkt auf das Unterbewusstsein zielt einfach weil es exakt dieselben physikalischen Konstanten nutzt, aus denen die Natur selbst aufgebaut ist.
00:21:50: Und für dich als Zuhörer, wenn du diese verborgenen Schichten, diese ganzen wahnsinnigen mathematischen Codes und architektonischen Wunder selbst nachlesen und dem Detail erkunden willst – Die Erkenntnisse unserer heutigen tiefgreifenden Analyse stammen aus dem Buch von Sonja Ulrike Klug «Schatris Kompakt» einem kompakten Führer durch die Kathedrale von Chartris.
00:22:12: Wirklich sehr zu empfehlen!
00:22:14: Definitiv.
00:22:14: Das schürft weit tiefer als die gängige Reiseliteratur.
00:22:17: ein absolutes Muss, wenn man das Bauwerk nicht nur einfach ansehen sondern wirklich lesen möchte.
00:22:23: Zum Abschluss drängt sich mir aber noch einen Detail auf dass für mich persönlich vielleicht das faszinierendste Paradoxo in dieser ganzen Kathedrale ist.
00:22:30: Oh okay, schieß los!
00:22:31: Trotz
00:22:32: all dieser Perfektion der Pi-Berechnungen der exakten musikalischen Proportion und dieses eisernen architektonischen Willens Schadriss es eigentlich unvollendet.
00:22:42: Wie meinst du das?
00:22:43: Unvollendet.
00:22:44: Wenn man davorsteht, wirkt es doch absolut abgeschlossen und massiv!
00:22:49: Das denkt man aber die ursprünglichen Pläne der Baumeister nach dem großen Feuer von elfhundert vierund neunzig Die sahen etwas viel viel gigantischeres vor.
00:22:58: Schadriss sollte nicht nur die beiden Türme an der Westfassade haben, die wir heute sehen
00:23:03: Sondern...
00:23:03: ...die Baupläne verlangten nach insgesamt neun Türmen.
00:23:07: Neun Türme
00:23:08: Ja.
00:23:09: Sieben gigantische Spitzen fehlen bis heute.
00:23:12: Der absolute Ausbruch in den Himmel, also diese endgültige Vollendung der vertikalen Sehnsucht wurde aus finanziellen und historischen Gründen einfach nie
00:23:19: realisiert.".
00:23:20: Das ist ja unglaublich!
00:23:22: Neun Türme das verändert die Silhouettete und auch die theologische Aussagegebung im Kopf ja komplett.
00:23:28: Total.
00:23:29: Aber weißt du vielleicht liegt genau in dieser Unvollendetheit ja die tiefere Botschaft?
00:23:35: Wir sprachen vorhin davon, dass Schadres keine Kirche des Todes ist sondern eine Maschine der Wiedergeburt, der Bewusstseinsentwicklung.
00:23:43: Und dieser Prozess der Entwicklung – ob jetzt für dich als Individuum im Labyrinth oder für uns als Menschheit als Ganzes – der ist ja niemals wirklich
00:23:52: abgeschlossen.".
00:23:53: Das stimmt!
00:23:54: Es bleibt ein beständiges Streben.
00:23:57: Die ungebauten Türme erinnern uns eigentlich nur daran dass selbst die allergrößten Anstrengungen einer Epoche immer nur einen Zwischenschritt darstellen können.
00:24:17: Die Baumeister von Chartres haben ihr gesamtes Wissen über das Universum in Stein verschlüsselt.
00:24:26: Und dieser Code funktioniert nach achthundert Jahren einfach noch immer!
00:24:31: Da fragt man sich schon, wenn wir heute mit all unserer Technologie und unserem Weltverständnis ein Gebäude errichten müssten um den Menschen im Jahr dreitausend zu zeigen wer wir eigentlich waren und wie wir den Kosmos verstanden haben?
00:24:44: welches wissen würden wir in die Wände gießen?
00:24:46: Eine sehr gute Frage
00:24:48: Würden wir überhaupt noch etwas bauen, das tausend Jahre überdauert?
00:24:52: Oder haben wir vor lauter digitalen Daten vielleicht den Mut verloren wirklich für die Ewigkeit zu bauen.
00:24:58: Etwas dass man bei der nächsten Reise oder auch einfach beim Scrolling im Feed vielleicht mal im Hinterkopf behalten sollte?
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