Die verborgene Sprache der Architektur

Shownotes

Die verborgene Sprache der Architektur

Stell dir vor, du betrittst ein antikes Meisterwerk und stehst plötzlich im Zentrum des Universums: In dieser Folge tauchen wir tief in die verborgene Mystik der Architektur ein. Wir entschlüsseln, warum Bauwerke wie das Pantheon, die Kaaba oder babylonische Zikkurate genau so gebaut wurden, wie sie gebaut wurden – und wie uralte Mythen und kosmische Geometrie in Stein gemeißelt wurden. Gemeinsam erkunden wir, wie Handwerker nicht nur Gebäude, sondern ganze Weltbilder erschufen, und was das für unser heutiges Verständnis von Raum und Baukunst bedeutet. Lass dich mitreißen von Geschichten über Sonnenstrahlen aus Stein, Labyrinthe der Unterwelt und die ewigen Fragen nach Himmel, Erde und Unendlichkeit. Nach dieser Folge wirst du Städte, Tempel und Kathedralen mit ganz neuen Augen sehen!

Das war eine weitere Folge von Zeitblicke – Geschichten, die Geschichte lebendig machen. Wenn dir diese Reise gefallen hat, folge dem Podcast für weitere Zeitreisen in vergangene Welten.

Diese Episode basiert auf dem Werk von W. R. Lethaby: Architecture, Mysticism and Myth: A Historical Study of Symbolism, Sacred Design, and Cultural Meaning. (Paperback, Hardcover) https://www.amazon.de/Architecture-Mysticism-Myth-Historical-Commentary/dp/B0GYNL6MKZ

Weitere spannende Einblicke in geschichtliche Themen findest du in den Büchern von Sonja Ulrike Klug: https://www.amazon.de/s?k=Sonja%20Ulrike%20Klug

Transkript anzeigen

00:00:00: Stell dir vor, du betritzt das Pantheon in Rom.

00:00:04: Du trittst da aus diesem grellen lauten Straßenverkehr...

00:00:08: Dieses absolute Chaos daraus?

00:00:10: Genau!

00:00:10: Du kommst aus dem Chaos durch so ein gewaltiges Bronzeportal und plötzlich umfängt dich eine richtig kühle Stille.

00:00:18: über dir wölbst sich diese gigantische Kuppel.

00:00:22: die ist so groß dass sie also sie scheint fast die Gesetze der Schwertrafft irgendwie zu verspotten.

00:00:27: und ganz oben Durch eine einzige kreisrunde Öffnung, da fällt so ein scharfer Lichtstrahl herab.

00:00:34: Ein unglaublicher Moment wenn man darin steht!

00:00:37: Absolut und du spürst sofort dass hier ist das es kein normales Gebäude.

00:00:42: die Proportionen das Licht die Form Das alles spricht eine ja eine archerische Sprache Die wir heute in unserem Alltag aus Stahlbeton und naja Quadratmeter Preisen irgendwie verlernt haben

00:00:55: Leider verlernt haben, wenn wir heute bauen, dann lösen wir im Grunde das Problem des Wetters und der Schwerkraft.

00:01:03: Sehr präzise sehr messbar?

00:01:04: Richtig!

00:01:05: Aber in der Antike war das eben komplett anders.

00:01:08: Völlig

00:01:08: anders.

00:01:09: Weißt du was du da im Pantheon spürst?

00:01:12: Das ist genau der precise Moment, in dem die reine Zweckmäßigkeit aufhört und das architektonische Mysterium beginnt.

00:01:21: Wir stehen heute vor diesem Bauten, und bewundern sie als Touristen?

00:01:25: Wir machen halt Fotos davon...

00:01:27: Genau!

00:01:27: Wir machen Fotos aber wir übersehen oft den Code der da buchstäblich in den Stein gemeißelt wurde.

00:01:33: Das ist eine Sprache der Symbolik die eben nicht nur dekorativ war sondern ein fundiertes Verständnis des Universums ausdrückte.

00:01:41: Und damit herzlich willkommen zu diesem maßgeschneiderten Deep Dive.

00:01:44: Schön dass du uns auf dieser Untersuchung begleitest.

00:01:47: Unsere heutige Mission ist wirklich erstaunlich.

00:01:50: Wir wollen nämlich herausfinden, warum berühmte Bauwerke der Menschheitsgeschichte exakt so aussehen wie sie aussehen?

00:01:57: Wie entschlüsseln sozusagen die isoterischen Prinzipien hinter den Steinen.

00:02:03: und unsere Karte für diese Reise ist ein ganz faszinierendes Buch.

00:02:07: es heißt Architekture Mysticism and Myth und wurde von WR Lethaby geschrieben

00:02:13: Ein wirklich fundamentales Werk.

00:02:16: Und das Besondere an dieser Quelle ist vor allem die Perspektive.

00:02:20: Lethaby war nämlich nicht einfach so ein trockener Historiker, der alte Scherben sortiert hat.

00:02:26: Er war ein praktizierender Architekt.

00:02:28: Das heißt er blickt auf diese ganzen antiken Mythen und Symbole wirklich aus der Sicht des Handwerkers, der tatsächlich auf der Baustelle stand.

00:02:36: Das ändert alles oder?

00:02:37: Absolut!

00:02:39: Er fragt sich nämlich ganz praktisch, wie übersetzt man einen abstrakten Schöpfungsmythos in ein funktionierendes Gebäude aus Ton-, Holz- oder eben Stein.

00:02:47: Das ist genau der Punkt, der dieses Buch so wahnsinnig greifbar macht!

00:02:51: Also so unglaublich greif bar macht meine ich.

00:02:54: Lethebi macht gleich zu Beginn einen brillanten Unterschied deutlich.

00:02:59: Er sagt bauen das befriedigt lediglich unsere körperlichen Bedürfnisse

00:03:03: Es schützt uns vor dem Regen?

00:03:05: Genau Aber Architektur im Wahnsinn ist etwas völlig anderes.

00:03:10: Sie ist die Verkörperung des Geistes, Architektor ist die Synthese aller Handwerkskünste um einen Gedanken physisch in dieser Welt zu manifestieren.

00:03:20: Wenn wir so wollen, isst sie die Seele während das bloße Bauen nur der fleischliche Körper ist?

00:03:25: Exakt.

00:03:26: und um diese Seele zu verstehen müssen wir uns eigentlich erstmal fragen was der Geist der frühen Baumeister überhaupt enthielt.

00:03:34: Die Architektur war damals das Erste, das Größte und auch das teuerste Medium um reinen Glauben sichtbar zu machen.

00:03:42: Die Architekten waren im Grunde die Übersetzer zwischen dem unerklärlichen Kosmos und dem einfachen Volk.

00:03:49: Lass uns das mal aufdröseln!

00:03:50: Wenn das Gebäude ein Körper für einen kosmischen Gedanken ist dann müssen wir unsere heutige wissenschaftliche Sichtweise ja komplett ablegen.

00:03:58: Das müssen wir ja Weil

00:03:59: wenn wir heute an das Universum denken sehen Unendliche Weiten.

00:04:03: Wir denken an Quantenphysik, an eine Erde die als Kugel durchs Nichts rast.

00:04:07: aber wenn ein antiker Architekt in den Himmel schaute der sah doch etwas völlig anderes oder?

00:04:12: Stabiler fester und oft auch völlig flacher Boden verstanden Und der Himmel war keine unendliche Atmosphäre.

00:04:20: Das war eine feste Konstruktion Eine Kuppel Ein eisernes Gewölbe Oder so ein gigantisches Zelt das an den Rändern der Welt auf der Erde aufsaß.

00:04:32: Das Universum war für sie buchstäblich ein gigantisches Haus.

00:04:36: Das bedeutet also, die frühe Kosmologie war von Natur aus bereits architektonisch gedacht?

00:04:41: Richtig!

00:04:42: Und ihre Bauweise spiegelte das dann einfach wieder.

00:04:46: Nehmen wir mal die Nordische Mythologie – da wird das Universum oft als riesiger Baum beschrieben… Die Weltenesche, Öktrasil.

00:04:54: Ah ja... Der Baumstamm verankert die Erde und stützt weit oben das Himmelsgewelbe Und Lathubi beschreibt sehr anschaulich, wie dieser Mythos das konkrete physische Bauern der Menschen im Norden geprägt hat.

00:05:08: Inwiefern?

00:05:09: Ah ja!

00:05:10: Wenn die ein Haus bauten, dann nutzten sie einen massiven zentralen Baumstamm als Hauptstütze.

00:05:16: Sie bautden kreisförmige Wände darum herum und ließen das Dach von diesem zentralen Stamm nach außen abfallen.

00:05:22: Wow – Ihr eigenes privates Haus war also ein exaktes Maßstabsgetreuungsmodell des Universums.

00:05:31: Also es gibt doch auch diesen japanischen Schöpfungsmythos, der in eine ganz ähnliche Kerbe schlägt oder?

00:05:35: Ja absolut.

00:05:37: Im alten Japan gibt es die Legende das die Welt um einen zentralen himmlischen Speer herum erschaffen wurde.

00:05:43: Dieser Speer fungierte als die Achse der Welt und in der frühen japanische Holzarchitektur finden wir exakt dieses Element wieder – einen gigantischen zentralen Pfeiler, der das Herzstück des Bauwerks bildet.

00:05:55: Erstaunlich!

00:05:57: Der Architekt schnitzte da also nicht nur einen Stützpfeiler, nein er errichtete die Weltenachse neu.

00:06:03: Aber warte mal ein Modell des Universums zu bauen das ist ja die eine Sache.

00:06:09: aber Letheby deutet an dass der handwerkliche Prozess selbst etwas Magisches hatte.

00:06:14: Ja

00:06:14: definitiv!

00:06:15: Dass es eben nicht reichte nur die Form so ein bisschen zu kopieren.

00:06:19: wie haben diese frühen Handwerker diese metaphorischen Weltentempel eigentlich physisch in die Realität umgesetzt?

00:06:26: ohne dass es nur so eine reine Dekoration blieb.

00:06:29: Das ist genau der Moment, in dem die Handwerkskunst zutiefst esoterisch wird!

00:06:33: Handwerkliche Präzision war damals kein Selbstzweck für Stabilität sowie heute – sondern das war ein magischer Akt der Verankerung.

00:06:41: In Ordnung.

00:06:42: Erklär' das mal genauer.

00:06:43: Denn der Kosmos als ewig und unverrückbar galt musste des Gebäude also als sein lokales Duplikat genau dieselbe kosmische Stabilität in sich aufnehmen….

00:06:53: Und wie macht man das als Steinmetz?

00:06:55: Man richtet das Gebäude nach astronomischen Prinzipien aus.

00:06:58: Du meinst, sie haben ihre Fundamente buchstäblich an die Sterne gekettet?

00:07:03: Ganz genau!

00:07:04: Bei den alten Ägyptern gab es dafür eine hochkomplexe rituelle Methode – das nannte man das

00:07:11: Spannen der Schnur.

00:07:12: Ja, lange bevor da überhaupt der erste Stein gesetzt wurde beobachteten der Fahrer-O und die Priester nachts den Himmel.

00:07:19: Sie visierten bestimmte Sternbilder an.

00:07:21: oft war das der große Bär um die perfekte Nord-Südachse zu bestimmen.

00:07:26: Und mit physischen Flöcken und Seilen wurde diese kosmische Ausrichtung dann direkt in den Sand übertragen!

00:07:32: Die Präzision des Maurers, der den Eckstein dann exakt nach diesen Schnuren setzte – das war keine bloße Geometrie mehr...

00:07:40: sondern

00:07:41: es war Sympathie-Magie.

00:07:42: Ein Fehler in der Ausrichtungen hätte bedeutet dass das Gebäude nicht synchron mit dem Universum schwingt….

00:07:48: Und deshalb zerfällt es dann unglaublich.

00:07:50: Das erklärt natürlich auch, warum die in diesen ägyptischen Inschriften so oft die Formulierung finden ein Tempel sei fest wie die Himmel.

00:07:57: Genau!

00:07:58: Die Maurer haben die Unzerstörbarkeit des echten Himmels handwerklich in den Stein importiert.

00:08:03: Exakt – die Präzision des Schnitzes das Fügen der Fugen, das war eigentliche Beschwörung.

00:08:10: In Ordnung Also wenn das Fundament auf diese magische Weise mit der Erde verankert ist, dann müssen wir uns als nächstes die geometrischen Formen ansehen.

00:08:19: Die aus diesem Fundament im Po wuchsen.

00:08:22: Denn sie haben ja nicht einfach zufällige Kisten gebaut.

00:08:25: Nein!

00:08:25: Auf keinen Fall!

00:08:26: Aus der Sicht des Architekten – welche Grundformen haben sich denn über die Jahrtausende als die Heiligsten erwiesen?

00:08:32: Es

00:08:32: kristallisieren sich da im Grunde zwei essentielle Formen heraus.

00:08:36: Zum einen... der Würfel, also der Kubus und zum anderen die Hemisphäre.

00:08:41: Also die Kuppel!

00:08:43: Der Würfel ist die perfekte architektonische Repräsentation der mystischen Erde.

00:08:48: Weil die Erde in der damaligen Vorstellung vier Ecken oder wir Hindemelsrichtungen hatte?

00:08:53: Richtig – Die Vier Winde, die vier Säulen der Welt.

00:08:56: Der Würfel strahlt Verlässlichkeit aus, Messbarkeit und Unbeweglichkeit.

00:09:01: Lethebi führt hier wirklich fantastische historische Beispiele an

00:09:06: Zum Beispiel

00:09:07: Die Kaba in Mecca, das zentrale Heiligtum des Islams.

00:09:10: Das ist wohl das Prominenteste!

00:09:12: Das Wort kaba bedeutet buchstäblich der Würfel oder die Zeller – dass es die innerste heiligste Kammer eines antiken Tempels wie wir sie im antiken Jerusalem fanden.

00:09:23: Stationen der vieräckigen Erde in Stein und im starken architektonischen Kontrast.

00:09:29: dazu steht dann eben die Hemisphäre, die Kuppe als das Abbild des Himmelsgewölbes.

00:09:35: Wenn du jetzt an moderne Kuppelbauten denkst, also einen Petersdom in Rom oder die St.

00:09:39: Pauls Cathedral in London Lass uns dieses Konzept mal in unserer heutige Zeit übersetzen.

00:09:44: Ja gerne

00:09:46: Es ist im Grunde so als hätten diese Architekten eine massive physische VR-Brille gebaut.

00:09:52: Du gehst als einfacher Bürger durch eine Tür im Würfel Betritt diesen Raum schaust nach oben und stehst plötzlich in einem Miniaturuniversum.

00:10:01: Der Architekt kontrolliert deinen Himmel.

00:10:04: Er hat eine komplett immersive Illusion erschaffen.

00:10:06: Das ist eine hervorragende Analogie.

00:10:08: und dieses immer siebe Gefühl, das war absolut beabsichtigt.

00:10:12: Le Thébis zitiert da den französischen Architekturtheoretiker César Delli Und auch den antiken Historiker Plutarch die genau das bestätigen.

00:10:22: Was sagt Plutach dazu?

00:10:24: Plutache

00:10:24: beschreibt den berühmten Tempel der Wester in Rom.

00:10:28: Dieser Tempel war nicht eckig, er war kreisförmig fast orbikular gebaut und Plutarch erklärt ganz explizit dass der Erbauer dies tat um nicht nur die Erde darzustellen sondern das gesamte Universum in seiner umschließenden Form.

00:10:44: Wahrhaft erstaunlich!

00:10:46: Aber diese kosmische Geometrie betraf ja nicht nur einzelne Tempel oder?

00:10:50: Lefebi geht dann noch weiter wenn ich mich recht erinnere.

00:10:54: Er beschreibt wie dieses Konzept den Städtebau selbst definierte.

00:10:57: Ja, das stimmt

00:10:58: Selbst das alte Rom wurde mythologisch als Roma Quadrata, also als das vieräckige Rom gegründet.

00:11:06: Wie genau funktionierte handwerklich?

00:11:09: Man hat ja nicht einfach vier Prosten in die Erde gerammt und gesagt, dass ist jetzt Rom!

00:11:14: Nein, das war ein hochkomplexer ritueller Prozess.

00:11:19: Die Römer nutzten einen speziellen Ritus.

00:11:22: Zuerst hoben sie im Zentrum der zukünftigen Stadt eine kreisrunde Grube aus den sogenannten Mundus.

00:11:29: Man kann sich das als den mystischen Nabel der Stadt vorstellen.

00:11:34: In diese Grube warfen die Siedler dann eine Handvoll Erde aus ihrer alten Heimat – also eine physische Verbindung zur bestehenden Welt.

00:11:43: Und dann kam der entscheidende handwerkliche Schritt.

00:11:46: Mit einem mystischen Flug, der oft von einem Stier und einer Kuh gezogen wurde zogen sie die Stadtgrenzen als perfektes Quadrat ausgerichtet nach den vier Himmelsrichtungen genau um diesen Nabel herum.

00:12:00: Der Stadtplaner zog also nicht einfach einen Verteidigungsgraben damit keine Feinde reinkommen?

00:12:05: Nein!

00:12:05: Er ritzte die kosmische Ordnung tief in den echten Boden.

00:12:08: Er definierte die Grenzen der bewohnbaren geordneten Welt gegen das Chaos Außerhalt, das Vieräck war schlichtweg Ordnung.

00:12:16: Das ist so faszinierend.

00:12:18: Aber das wirft auch eine sehr praktische mechanische Frage auf

00:12:22: Welche?

00:12:23: Wir haben jetzt den Würfel der Erde unten und wir haben die Idee der Himmelskuppel weit oben aber strukturell und spirituell gibt es dazwischen ja eine enorme Lücke.

00:12:33: Wie haben diese Architekten eigentlich die Verbindung hergestellt?

00:12:37: Wie reichte man von der kubischen Erde an die Sterne

00:12:40: heran?".

00:12:40: Das führt uns direkt zur Architektur der Höhe, zu Erfindung der Stufentempel.

00:12:46: Ein perfektes bei Letharby ausführlich beschriebenes Beispiel sind die Zigorats von Babylonien.

00:12:51: Oh!

00:12:51: Die Zigoratz...

00:12:52: Genau das waren gigantische terrassenförmige Bauwerke.

00:12:57: Man nannte sie Götterdrohne, die aus der Ebene herausragten um den mystischen Berg der Welt zu formen.

00:13:04: Also buchstäblich künstliche Berge, aus purem Ziegelstein errichtet nur um näher an den Himmel zu

00:13:10: kommen.

00:13:10: Ganz genau!

00:13:11: Und sie bestanden in der Regel aus exakt sieben Stufen.

00:13:15: Diese Zahl war kein Zufall – jede Stufe stand für einen der sieben damals bekannten Kanäten.

00:13:23: Ja, Jupiter, Saturn, Merkur und Mars….

00:13:27: aber der brillante Aspekt ist wie Sie dies handwerklich umsetzten?

00:13:31: Es reichte nicht einfach nur sieben Ebenen zu bauen.

00:13:34: Der Architekt drückte das astronomische Wissen durch das Handwerk der Farbe aus!

00:13:40: Ja, jede dieser massiven Stufen war in der spezifischen Farbe des jeweiligen Planeten glasiert.

00:13:46: Wie müssen wir uns das vorstellen?

00:13:47: Das muss doch ewig gedauert haben...

00:13:49: Das war ein gewaltiger technischer Aufwand.

00:13:52: Lethabi beschreibt die Farben schwarz für Saturn, ein blendendes Weiß für Venus, pur pur rot für Mars blau für Merkur.

00:14:02: Und die oberste Stufe für die Sonne, die war oft buchstäblich vergoldet.

00:14:08: Das ist unglaublich!

00:14:09: Stell dir vor du brennst Zehntausende Ziegel, glasierst sie in diesen extrem teuren und schwer herzustellenden Pigmenten nur um ein begehbares gigantisches Modell des Sonnensystems mitten in der Wüste zu errichten.

00:14:24: Wenn Du in der antiken Wüse gestanden hättest Dann hättest du diesen riesigen leuchtend bunten Berg gesehen, der da in der flachen Landschaft schimmerte.

00:14:33: Erstaunlich!

00:14:34: Aber bei der Verbindung zum Himmel ging es nicht nur um Treppen oder?

00:14:37: Es ging auch um den Weg des Lichts selbst.

00:14:39: Das Licht war das zentrale architektonische Baumaterial besonders in Ägypten.

00:14:45: Für den Architekten war ein Tempel oft kein geschlossener Raum sondern eher eine Serie von gigantischen Toren.

00:14:53: Der normale Gläubige sah natürlich nur massive, einschüchternde Mauern.

00:14:58: Aber in der rituellen Vorstellung waren es Durchgänge für das himmlische Licht!

00:15:02: Man stellte sich vor, dass der Sonnengod Horus jeden Morgen rituell durch diese exakt nach Osten ausgerichteten Tore schritt.

00:15:10: Und das Licht fiel dann genau hindurch?

00:15:12: Ja – In den Inschriften von Ramses dem Zweiten heißt es «diese monumentalen Portale sein wie der Himmlische Lichthorizont».

00:15:22: Und dieses Motiv des Sonnentores, das beschränkt sich ja nicht auf Ägypten.

00:15:26: Latherby zieht hier eine ganz faszinierende Verbindung nach Japan.

00:15:30: Jeder kennt diese traditionellen roten Bögen – die Tori die oft so eindrucksvoll im Wasser oder vor Schintosch reinstehen.

00:15:37: Ja, ein ikonisches Bild!

00:15:39: Laut Latherby waren das architektonisch gesehen gar keine echten Tore für Menschen Richtig

00:15:44: – sie waren ursprünglich als rituelle Sitzstange für den himmlischen Sonnenvogel gedacht wenn dieser morgens im Osten aufsteigt.

00:15:53: Wieder sehen wir Die Form dient dazu das kosmische Ereignis physisch an den Ort zu binden.

00:16:00: Das ist echt stark.

00:16:01: Und wenn wir über das Einfangen des Lichts sprechen, dann müssen wir natürlich auch die ägyptischen Obelisken erwähnen.

00:16:07: Oh ja!

00:16:08: Lethebi hat eine wunderbare Beschreibung für sie...

00:16:11: Ein Obelisk ist architektonisch gesehen ein versteinter Sonnenstrahl.

00:16:16: Ein gigantischer Monolith aus einem einzigen Fels gehauen, die hatten spitzzulaufende oft vergoldete Enten, die das allererste Licht der Morgensonne einfingen und reflektierten lange bevor es überhaupt den dunklen Boden erreichte.

00:16:32: Und hier verschmilzt Handwerk, Licht und Schrift auf geniale Weise!

00:16:36: Die geometrische Form des Obelisken entsprach exakt der ägyptischen Hieroglyphe MEN.

00:16:42: Men?

00:16:43: Was bedeutet das?

00:16:44: Es bedeutet Festigkeit oder Stabilität.

00:16:48: Indem der Architekt also diesen tonnenschweren steinernen Lichtstrahl mühsam aufstellte, schrieb er das Wort für ewige Festigkeit physisch in die dreidimensionale Landschaft.

00:17:02: Er meistelte den Begriff nicht nur in die Wand Das Gebäude war das Wort.

00:17:07: Lass mich hier kurz einhaken!

00:17:09: Wir sprechen jetzt die ganze Zeit über den Weg nach oben, ja?

00:17:12: Über den Aufstieg, dass Licht, goldene Spitzen, leuchtende Farben, das Himmelsgewölbe – aber das ist doch eigentlich nur die halbe Wahrheit.

00:17:21: In fast allen diesen Mythologien gibt es auch die absolute Dunkelheit.

00:17:25: Es gibt das Reich der Toten, die Unterwelt.

00:17:28: Haben die Architekten das einfach weggelassen, weil es vielleicht zu düster oder zu furchteinflößend war um es in so repräsentative öffentliche Gebäude zu integrieren?

00:17:38: Das ist eine exzellente Beobachtung.

00:17:41: Die uns direkt in die Tiefe führt buchstäblich in die Böden der Gebäuden.

00:17:47: Wenn der Tempel wirklich ein Mikrokosmos sein soll also ein Abbild des gesamten Universums dann darf er das Dunkel nicht ignorieren.

00:17:56: Er muss beides haben.

00:17:57: Er muss alles enthalten, auch den Tod.

00:18:00: Auch die Unterwelt!

00:18:01: Und wie baut man bitte schön eine Unterwelt in einer Kathedrale oder einen Tempel ohne dass es einfach nur ein dunkler Keller ist?

00:18:10: Durch Geometrie.

00:18:12: Genauer gesagt durch das Labyrinth.

00:18:15: Lethebi zeigt auf, wie das Laburint in vielen alten Kulturen die konzentrischen Kreise der Unterwelt repräsentierte.

00:18:22: Wir kennen das aus der griechischen Legende des Thesäus

00:18:25: der in die Dunkelheit zum Minotaurus hinabsteigt.

00:18:28: Genau!

00:18:29: Oder aus asyrischen Einweihungsriten, in denen angehnende Priester durch dunkle verwinkelte Gänge navigieren mussten um Tod und Wiedergeburt zu simulieren.

00:18:40: Das Erstaumliche ist jedoch dass dieses tiefe esoterische Prinzip über Jahrtausende hinweg überdauerte Und schließlich auf den Fußböden mittelalterlicher christlicher kathedralen Landete.

00:18:53: Auf dem Boden christlicher Kathedralen befanden sich Nachbildungen der heitnischen Unterwelt?

00:18:58: Ja, das taten sie.

00:19:00: Eines der beeindruckendsten Beispiele ist die Kathedrale von Amiens in Frankreich.

00:19:05: Dort gab es auf dem Boden ein gigantisches achteckiges Labyrinth, das aus verschiedenfarbigen Steinen gelegt war.

00:19:12: Es war fast dreizehn Meter im Durchmesser.

00:19:15: Wahnsinn!

00:19:18: Die Gläubigen mussten oft auf Knien durch dieses verwirrende Muster rutschen.

00:19:23: Das war eine physische, beschwerliche Reise die den Weg durch die Irrungen des Lebens und eben die Unterwelt symbolisierte.

00:19:31: Und das absolut bemerkenswerteste aus der Sicht des Handwerks

00:19:35: Ja

00:19:36: Weißt du was ich genau in der Mitte dieses Labyrinths befand?

00:19:39: Am tiefsten dunkelsten symbolischen Punkt?

00:19:42: Ein Kreuz oder vielleicht ein Heiliger?

00:19:45: Nein Es war das Bildnis des leitenden Architekten selbst, eingelegt in Stein zusammen mit dem Datum zwölf achtundachtzig.

00:19:53: Moment mal!

00:19:55: Er baut dieses unglaubliche Abbildes Universums.

00:19:58: und wohin setzt er sich selbst?

00:20:00: Genau in das Zentrum des Labyrinths der Unterwelt?

00:20:03: Genau dorthin.

00:20:04: Das zeugt ihr entweder von extremer Demut weil er sich in die Tiefe verbannt oder von einem absolut gigantischen Ego weil er es sich selbst zum Herrn des Laborins macht.

00:20:14: Wahrscheinlich ein bisschen von Beidem würde ich sagen, er hat den Weg nach unten kartografiert.

00:20:19: Aber während die Gläubigen auf dieses Labyrinth starten und quasi durch die Unterwelt krochen – was passierte wohl wenn sie den Kopf in den Nacken legten?

00:20:27: Sie sahen die Decke

00:20:28: Im scharfen Kontrast zur Unterwelt.

00:20:30: auf dem Boden standen diese himmlischen Decken.

00:20:33: Die Decke war wie wir vorhin besprochen haben nie einfach nur ein Dach!

00:20:38: Sie war das Himmelsgewölbe.

00:20:40: In Ägypten wurden Tempel und Grabdecken extrem aufwendig buchstäblich als Nachthimmel bemalt.

00:20:47: Ein sattes tiefes Blau überselt mit fünfzackigen weißen Sternen, die oft ein leuchtend rotes Zentrum hatten.

00:20:54: Letheby erwähnt in diesem Zusammenhang auch eine Göttin, die den ganzen Raum umspannte, nicht wahr?

00:20:59: Ja!

00:20:59: Die alt-Egiptische Himmelsgöttin Tipe, die auch als Nut bekannt ist – sie wurde oft gigantisch un... Seltsam rechtwinklig gestreckt über die gesamte Länge der Decke gemalt, ihr massiver blauer Körper bildete den Kosmos.

00:21:14: Und wo war dann die Erde?

00:21:16: Ihre

00:21:16: Arme und Beine, ihre Finger und Zehen reichten an den Wänden hinab in Richtung Boden um die Erde, die repräsentiert wurde durch den Erdgottsepp physisch zu berühren.

00:21:27: Der Raum dazwischen war die Luft, in der die Menschen atmeten.

00:21:30: Es ist völlig in Ordnung wenn dir jetzt der Kopf schwirrt vor lauter Symbolen Göttern und Geometrie Aber lasst uns all diese unglaublichen Puzzleteile mal zu einem einzigen, immersiven Bild zusammensitzen.

00:21:41: Das

00:21:41: sollten wir tun!

00:21:42: Stell dir noch einmal vor du stehst in so einem antiken Meisterwerk – vielleicht genau dort in Amiens oder in einem Tempel am Nil.

00:21:50: Unter deinen Füßen breitet sich das verworrende Labyrinth des Todes aus — die Schwere der Erde und der Unterwelt.

00:21:57: Und direkt über deinem Kopf wölbt sich das unendliche Sternen-Übersätegewölbe.

00:22:02: Der Handwerker, der das entworfen hat – er hat hier nicht einfach nur geschickt behaune Steine aufeinander gestapelt um ein Dach vor dem Einsturz zu bewahren.

00:22:13: Er hat den kompletten dreidimensionalen Bauplan des damaligen Universums choreografiert!

00:22:18: Er hat dich als Besucher ganz präzise genau in die Mitte der Schöpfung gestellt.

00:22:23: Das ist wirklich eine fantastische Zusammenfassung.

00:22:27: Lethobi zitiert in seinem Buch einen Gedanken aus der Kalevala, dem alten finnischen Nationalepos, der das perfekt einfängt.

00:22:36: Dort gibt es den Mythos des kosmischen Eiers.

00:22:40: Aus der unteren Hälfte der aufgebrochenen Eierschale entsteht die Erde.

00:22:45: Aus oberer Hälfe der Schale wölbt sich der Himmel.

00:22:48: Jedes dieser meisterhaften Gebäude ist im Grunde der Versuch, dieses kosmische Ei architektonisch nachzubauen.

00:22:55: Das ist ein starkes Bild.

00:22:57: Wenn wir eine antike Kuppelkirche betreten, betreten wir dieses

00:23:01: Ei.

00:23:02: Die Architektur umschließt uns exakt wie die Schale – die Welt.

00:23:06: Und genau das ist der Grund warum dieses Wissen so wichtig ist wenn wir das nächste Mal durch unsere Städte laufen.

00:23:12: Wenn wir heute alte Gebäuden betrachten eine Kathedrale, einen Tempel auf Reisen oder selbst nur einen Platz mit einem römischen oder ägyptischen Obelisken.

00:23:19: Dann laufen wir nicht einfach über alte Pfastersteine.

00:23:22: Nein!

00:23:22: Wir wandeln buchstäblich durch die versteinerten eingefrorenen Mythen der Menschheitsgeschichte.

00:23:28: Laterbys Buch zeigt uns das Architektur dass erste Kommunikationsmittel war um das Unsichtbare sichtbar zu machen.

00:23:35: Die Steinmetze, die Maurer Die Maler, sie alle formten die Realität.

00:23:40: Und wenn wir laterbis brillanten Gedanken konsequent in unserer heutige moderne Zeit weiterdenken dann drängt sich eine sehr unbequeme aber unheimlich spannende Frage auf.

00:23:51: Welche wäre das?

00:23:52: Nun... Wir haben ja gesehen dass die antiken Baumeister diese monumentalen Würfel riesigen Kuppeln, Labyrinthe und planetaren Stufentempel erschufen weil Sie wirklich daran glaubten.

00:24:05: Aus tiefstem Herzen und nach dem besten naturwissenschaftlichen Wissen ihrer Epoche, glaubten sie die Erde sei ein flacher vieräckiger Boden?

00:24:15: Und der Himmel ein festes messbares Gewölbe aus Glas Eisen oder Stein.

00:24:20: Sie bauten ihre tatsächliche physische Realität nach

00:24:23: Aber heute wissen wir es ja besser.

00:24:25: Genau!

00:24:25: Wir wissen durch unsere Wissenschaft, dass wir nicht im Zentrum einer bequemen Käseglocke sitzen.

00:24:31: Wir leben auf einer runden zerbrechlichen Kugel die mit unfassbarer Geschwindigkeit durch ein grenzenloses dunkles Universum rasst.

00:24:40: Wir wissen um die Quantenphysik und um die Relativität von Raum und Zeit.

00:24:44: wenn moderne Architektur also wieder mehr sein soll als nur eine nützliche leere Hülle aus Stahl und Glas?

00:24:51: Ja Was dann, wenn Gebäude wieder eine Seele haben sollen?

00:24:55: Wie müsste ein Bauwerk aussehen dass unser heutiges komplexes relativistisches Weltbild esoterisch und handwerklich perfekt einfängt.

00:25:05: Wie baut man eigentlich ein Universum aus Stein das keine Mitte und kein festes Himmelsgewölbe hat?

00:25:11: Eine Architektur der Unendlichkeit?

00:25:15: Das ist eine absolute Meisterfrage.

00:25:18: Wie gießt man die Quantenphysik in Beton?

00:25:22: Ein unglaublicher Gedanke über den Du, wenn du das nächste Mal an den spiegelnden Glasfassaden moderner Hochhäuser vorbeigehst – in Ruhe nachdenken kannst.

00:25:31: Auf jeden Fall!

00:25:32: Das war unser heutiger Deep Dive in Die Verborgene Mystik des Bauerns und In Die Geheimesprache von Form & Stein.

00:25:39: Wir hoffen, Du hattest genauso viele Aha-Momente wie wir Und siehst die Fassaden um dich herum jetzt mit völlig neuen Augen.

00:25:47: Bleibt neugierig, betrachte die Welt genau und wir hören uns beim nächsten Mal.

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