Fräulein Reuschel gibt Gas, Folge 3

Shownotes

Ich erzähle die faszinierende Geschichte von Marie Reuschel, die um 1900 im bodenlangen Kleid und Korsett auf ihrem Motorrad gesellschaftliche und technische Grenzen sprengte. Während Männer noch debattierten, ob Frauen überhaupt fahren können, saß sie längst fest im Sattel und bewies das Gegenteil. Mit Pragmatismus und Mut zeigte sie, dass Regeln nicht immer geändert werden müssen – manchmal reicht es, sie einfach zu ignorieren. Ihr Sieg im Motorsport wurde zur Sensation, doch ihre Geschichte verschwand fast lautlos aus den Annalen. In dieser Episode lade ich euch ein, mit mir auf die Spuren einer Frau zu gehen, die Geschwindigkeit, Technik und Freiheit neu definierte – und damit einen Funken zündete, der bis heute nachwirkt.

Sonja Ulrike Klug: Fräulein Reuschel gibt Gas (Paperback, E-Book) Kluges Verlag, 2025 <https://www.amazon.de/dp/3910321402>

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Transkript anzeigen

00:00:00: Stell dir mal folgendes Zähne vor, wir schreiben das Jahr four.

00:00:06: Eine wilde Zeit für Mobilität?

00:00:08: Absolut.

00:00:09: und vor dir steht ein frühes ziemlich rustikales Motorrad der Marke Zyklon.

00:00:15: also das ist kein geschmeidiges Gefährt nach heutigen Standards?

00:00:18: Nee überhaupt nicht!

00:00:20: Das war im Grunde nur einen verstärkter Fahrradrahmen mit so einem ohren betäubend lauten Einzylindermotor.

00:00:28: Genau, dieser vibrierende Motor.

00:00:30: Überall freiliegende Ketten, rotierende Lederriemen, dreckige Pedale!

00:00:34: Und es riecht beißend nach verbranntem Rizinosöl ja?

00:00:38: Ja, Wahnsinn.

00:00:39: und auf diesem knattenden Ungetümmen sitzt eine junge Frau.

00:00:42: sie trägt aber keine schützende Lederkombi oder so.

00:00:46: Das gab's ja für Frauen.

00:00:47: schlichtweg nicht

00:00:48: richtig.

00:00:48: Sie steckt stattdessen in einem extrem eng geschnürten Korsett und einen bodenlangen zentner schweren Rock.

00:00:55: Ein absoluter Albtraum auf so einer

00:00:57: Maschine.

00:00:58: Genau da setzt unser heutiger Diebdive an!

00:01:01: Wir haben ein faszinierendes historisches Dokument auf dem Tisch.

00:01:05: Ja, über Fröhlein Marie Reuschel eine fast vergessene Pionieren.

00:01:11: Ähm genau... Unsere Mission heute ist es zu entschlüsseln wie diese Frau nicht nur mit roher Technik gerungen hat sondern vor allem mit den völlig absurden gesellschaftlichen Ketten ihrer Zeit.

00:01:24: Denn ich frage mich da wirklich, wie zur Hölle fährt man in so einem Aufzug ein Motorrad ohne von der Maschine literally zerrissen zu werden?

00:01:32: Ja um das zu begreifen müssen wir uns von unserem modernen Verständnis von Sicherheit wirklich komplett verabschieden.

00:01:40: Also Helmpflicht und Airbags gab's halt nicht ne?

00:01:43: Genau!

00:01:43: Der Straßenverkehr vor über hundert Jahren war ein chaotischer fast regelloser Raum Aber die weitaus größere Gefahr für eine Fahrerin ging tatsächlich von ihrer eigenen Kleidung aus.

00:01:55: Krass!

00:01:56: Wegen der Unfallgefahr?

00:01:58: Auch, aber die Mode damals war halt kein individueller Stil sondern ein knallhartes gesellschaftliches Diktat.

00:02:04: In den Quellen findet sich eine Haltung, die das perfekt einfängt.

00:02:08: Okay, schieß los.

00:02:09: Wer als Frau keinen Korsett trägt hat sozusagen die Kontrolle über sein Leben verloren und fällt komplett aus der anständigen Gesellschaft heraus.

00:02:18: Das ist ein unfassbarer Gedanke, besonders wenn man die physikalischen Realitäten auf so einem Motorrad bedenkt.

00:02:24: Absolut!

00:02:25: Es war körperliche Schwerstarbeit.

00:02:27: Ja, man saß da ja nicht einfach drauf und hat am Gasgriff gedreht wie heute... Man musste mittreten, die Maschine auf diesen unebenen Wegen ausbalancieren.

00:02:36: Ständige Stöse abfangen

00:02:38: genau.

00:02:38: Und ein Korsett tut vor allem eines Es schnürt den Brustkorb komplett ein, es verdrängt die inneren Organe nur um diese Westenteil zu erzeugen.

00:02:48: Und bei Motorradfahren brauchen die Muskeln massiv Sauerstoff.

00:02:52: Das Korsett verhindert aber genau das weil das Zwergfell sich nicht ausdehnen kann.

00:02:58: Man ist also gezwungen extrem flach zu atmen!

00:03:01: Das muss doch unweigerlich zu rasen schneller Erschöpfung geführt haben

00:03:05: oder sogar zu unmacht.

00:03:06: Und wir sprechen hier noch nicht einmal von dem enormen Stoffvolumen der Röcke.

00:03:11: Ach ja, der Rock!

00:03:13: Genau diese Pionieren kämpften mit Bergen von Textilien.

00:03:17: Ein bodenlanger Rock bestand oft aus schweren Wollstoffen.

00:03:21: Dazu kamen noch etliche Unterröcke und Tüll...

00:03:24: ...und das bei einer Maschine aus dem Jahr four.

00:03:28: Ich meine da gab es keine geschlossenen Kettenkästen oder?

00:03:30: Richtig alles rotierte völlig offen Ein Windstoß reichte und dieser schwere Stoff verfing sich in den Speichen oder dem Treibriemen.

00:03:39: Allein das Aufsteigen muss ein Kampf gegen die Gesetze der Physik gewesen sein!

00:03:43: Ja, ganz zu schweigen davon... Das Gleichgewicht zu halten?

00:03:46: Man konnte die Beine ja wegen des enge Rocks überhaupt nicht

00:03:49: spreizen?!

00:03:50: Wahnsinn!

00:03:51: Wenn also Rock-und-Kosett völlig unverhandelbar waren weil man sonst geächtet wurde stellt sich echt die Frage wie Marie Reuschal das überlebt hat.

00:03:59: Sie brauchte eine Schwachstelle im System Einen Ausweg.

00:04:03: Und den fand sie interessanterweise ganz oben, beim Hut?

00:04:06: Ja

00:04:07: das ist mein Lieblingsdetail in dieser Geschichte!

00:04:09: Die gesellschaftliche Norm sah damals für Damen ja ausladende Hüte vor.

00:04:13: mit Blumenarangements riesigen Krämpfen und Schleiern

00:04:17: Steht ihr das mal bei fünfzig Stunden Kilometern auf dem Motorrad vor.

00:04:20: Das

00:04:20: wirkt wie ein Bremsfallschirm.

00:04:22: Der reist den Kopf nach hinten und der Schleier nimmt ihr komplett die Sicht!

00:04:26: Ähm, das ist ungefähr so als würde man heute zu einem eleganten Abendkleid auf Nagala plötzlich einen Motorradhelm aufsetzen.

00:04:32: Auf zu einer Mütze?

00:04:33: Richtig.

00:04:34: Genau zur sogenannten Prinz Heinrich-Mütze.

00:04:37: Das ist ein faszinierendes Detail in unserer Quelle.

00:04:40: Wer war noch mal Prinz Heinrich?

00:04:42: Das war der Bruder von Kaiser Willem

00:04:44: II.,

00:04:45: Und er war quasi der Motorsport Fanatiker der kaiserlichen Familie.

00:04:49: Ah okay...

00:04:50: Er sponserte frühe Automobil-Rallies und erfand den Motorwagen Windschutz, also den Vorläufer der Windschutscheibe.

00:04:57: Und er trug bei seinen rasanten Ausfahrten stets diese sehr markante flache Schirmütze.

00:05:01: Die

00:05:02: so ein bisschen an eine Marinekappe erinnerte.

00:05:04: ne?

00:05:05: Exakt!

00:05:05: Und diese Mütze wurde bei den technikbegeisterten Männern der Zeit zum absoluten Statussymbol.

00:05:11: Sie stand für Geschwindigkeit und Männlichkeit.

00:05:14: Das ist genial.

00:05:15: sie bedient sich also ganz bewusst Motorsportkultur, sie stiehlt sozusagen das ultimative Symbol der Bro-Culture von IV?

00:05:27: Richtig.

00:05:28: Keine Pfauenfedern im Gesicht, kein Schleier vor den Augen.

00:05:31: Stattdessen schützt die Schirmütze die Augen vor Schmutz und ist aerodynamisch – Das is eine so brillante subversive Aktion!

00:05:39: Sie unterwirft sich den Regeln bei Corsett & Rock um gesellschaftlich zu überleben

00:05:43: und bricht die Norm beim Hut, um auf der Straße zu überlegen.

00:05:47: Echt stark!

00:05:48: Und diese freie Sicht war auch zwingend notwendig?

00:05:52: Die Straßen damals waren oft nur unbefestigte Kutschwege

00:05:55: voller Spurrillen- und Pferdemist nämlich an

00:05:58: Genau – und bei Regen verwandelten sie sich in Knöcheltiefenschlammen.

00:06:02: Der Motorsport war eben nicht nur wegen der Technik eine Männerdomäne sondern

00:06:06: wegen des Schmutzes und der öffentlichen Sichtbarkeit.

00:06:09: Ja,

00:06:09: Frauen sollten laut Ideal in der häuslichen Privatsphäre bleiben und nicht Öl verschmiert auf Straßen herumrasen.

00:06:17: Was uns direkt zu Reuchels Praxistest führt?

00:06:20: Wir schreiben den neunten Mai, vier.

00:06:23: Ihre erste große Zuverlässigkeitsfahrt

00:06:25: Genau!

00:06:26: Das Teilnehmerfeld bestand aus dreiunddreißig Männern und ihr.

00:06:30: Ähm, das Konzept so einer Zuverlässigkeitsfahrt ist ja komplett anders als ein heutiges Rennen.

00:06:36: Brichtig!

00:06:36: Es ging nicht um runden Zeiten

00:06:38: Sondern darum eine gigantische Distanz über völlig unberechenbare Wege zu überstehen ohne dass das Motorrad auseinander fällt.

00:06:45: Ein brutaler Ausdauertest Und das Wetter an diesem speziellen Tag im Mai war katastrophal.

00:06:52: Die Straßen waren aufgeweicht, oder?

00:06:53: Komplett.

00:06:55: Ein Motorrad auf Schlamm zu stabilisieren erfordert schnelle Ausgleichsbewegungen mit den Beinen.

00:06:59: Man muss die Maschine wie einen Schlitten abfangen

00:07:02: Was in einem nassen schweren Wollrock der die Beine wie eine Fessel zusammenhält fast unmöglich ist.

00:07:08: Mathematisch gesehen ist ein Sturz davor programmiert

00:07:10: Und genau das passiert!

00:07:12: Die Queller dokumentiert dass sie direkt nach dem Start stürzt und sich schwer am Knie verletzt.

00:07:17: Sie musste dieses Rändern auch abbrechen

00:07:19: Und das hätte der Moment sein können, wo sie sagt okay die Gesellschaft hatte recht.

00:07:23: Die Physik ist zu stark.

00:07:24: ich lass es aber Sie gibt nicht auf.

00:07:27: überhaupt nicht viel

00:07:28: faszinierender finde ich ihr drittes Rennen in Stuttgart am Schloss Solitude eine riesige Kulisse.

00:07:34: Zwei tausend Zuschauer stehen an der Strecke.

00:07:36: Die

00:07:36: Solitudstrecke war extrem gefürchtet wegen ihrer Steigung

00:07:39: Genau.

00:07:40: Es gibt Berichte, dass bei solchen Bergen damals selbst hocherschaftliche Automobile kapitulierten und die Schufföre schwitzen schieben mussten!

00:07:49: Ja das war völlig normal.

00:07:51: Und Marie Reusche fährt diese Steigung hoch und gewinnt.

00:07:55: Aber äh hier muss ich unsere Quelle mal kritisch hinterfragen.

00:07:58: Wieso das?

00:07:59: Der Text merkt an, dass sie diesen Sieg nur errangen weil sie schlichtweg die leichteste Teilnehmerin im Feld war.

00:08:06: Wertet das ihre fahrerische Leistung nicht massiv ab?

00:08:09: Auf den ersten Blick viel leicht.

00:08:12: Aber wenn wir die Mechanik der Motoren von IV analysieren, dreht sich das komplett um!

00:08:17: Okay erklär mal... Diese

00:08:18: Motoren hatten Ost nur zwischen anderthalb und drei PS.

00:08:22: Die waren unglaublich schwachbrüstig.

00:08:24: Da zählte an einer Steigung tatsächlich jedes Gramm

00:08:27: Ah.

00:08:27: verstehe!

00:08:28: Die männlichen Fahrer brachten mehr Körpermasse und schwere Lederkleidungen mit.

00:08:32: Euchel war vielleicht die leichteste Aber das war kein Zufallsvorteil.

00:08:37: Das war eher strategischer Hebel!

00:08:38: Sie hat also die angebliche physische Unterlegenheit weniger Muskeln, weniger Gewicht genommen und in einen mechanischen Vorteil übersetzt.

00:08:47: Exakt – sie hat das Leistungsgewicht der Maschine optimiert

00:08:52: Und man muss ja festhalten dass es enorme technische Finesse erfordert so einen schwachen Motor eine Steigung hoch zu zwingen ohne ihn abzuwürgen.

00:09:00: Ja, man muss die Zündung permanent nachregeln und die Balance halten.

00:09:04: Die Zeitschrift Deutscher Motorradfahrer nannte sie nicht umsonst die schneidige Berlinerin – und Motorrad-Amazone.

00:09:11: Krass!

00:09:12: Aber dieser Erfolg provozierte natürlich gegen Wind oder?

00:09:15: Oh ja, massiv… Wenn eine Frau in den exklusiven Raum der Männer eindringt und sie dann auch noch schlägt reagiert die Gesellschaft oft mit Abwertung.

00:09:25: Da kommt dieser Journalist Richard Köhlich ins Spiel richtig?

00:09:28: Genau In der Zeitschrift, das Motorrad.

00:09:31: Er startete eine regelrechte Kampagne gegen Frauen auf Motorrädern.

00:09:35: Kühligsargumentation ist ja wirklich ein Meisterstück der Pseudo-besorgten Exklusion!

00:09:41: Er forderte eine Damenmaschine...

00:09:43: Ein Pendant zum Darmensattel beim Reiten?

00:09:46: Die Frau sollte beide Beine auf einer Seite haben

00:09:49: Und er argumentierte mit Sicherheit weil die Röckefeuer fangen könnten.

00:09:53: Aber dann fällt er dieses vernichtende Urteil.

00:09:56: Er nannte die Frau in technischen Dingen eine Zitat krasse Ignorantin.

00:10:02: Genau, er schrieb jede Motorstörung müsse für sie ein Buch mit sieben Siegeln bleiben...

00:10:07: ...er versuchte technische Inkompetenz als biologische Tatsache der Frau zu verkaufen.

00:10:12: Und da liefert Reuschel eine Reaktion, die mich wirklich nachhaltig beeindruckt hat Ein viraler Take-Down.

00:10:18: Ninzehundert Vier Style.

00:10:20: Ja ihr Leserbrief ist legendär.

00:10:22: Sie

00:10:22: fordert keine absurden Damenmaschinen, sie geht an die Wurzel und fordert Beinkleider also Hosen.

00:10:29: Was für uns trivial klingt.

00:10:30: aber Hosen für Frauen waren damals ein absolutes Tabu eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung fast

00:10:36: schon Wahnsinn!

00:10:38: Und dann nimmt sich diesen Vorwurf der krassen Ignorantin vor und zerstört ihn einfach komplett indem sie ihre exakte Startroutine beschreibt.

00:10:46: Eine Meisterleistung.

00:10:47: wir müssen uns sehr klar machen was Motorradstaaten

00:10:51: Heute drückst du einen Knopf der Bordcomputer, macht alles.

00:10:54: Damals warst Du Dein eigener Bord-Computer.

00:10:56: Sie beschreibt in dem Brief wie sie manuell das Öl ins Kurbelgehäuse

00:11:00: pumpt Weil es keine automatischen Ölpumpen gab.

00:11:03: Richtig!

00:11:04: Sie prüft die Kompression Sie stellt den Zündzeitpunktmanuell ein.

00:11:07: Und wehe er ist zu früh eingestellt ne?

00:11:09: Genau dann schlägt der Motor beim Ankurbeln zurück und bricht dir am schlimmsten Fall das Bein Puh!

00:11:15: Und dann schreibt sie, dass ihr den Motor mit dem Treibriemen anwirft.

00:11:18: Den schweren Kolben über den Todpunkt bringen

00:11:21: und sie lauscht auf den Motor verlässt sich rein auf Ihr Gehör um zu beurteilen ob er rundläuft.

00:11:26: Dann kommt der absolute Wahnsinn – um loszufahren muss sie den laufenden Motor kurz stoppen, den Lederriemen auflegen und sofort wieder anziehen

00:11:36: direkt neben rotierenden Metallteilen die einem locker die Finger abreisen können.

00:11:40: Probiert das mal bei deinem Auto heute

00:11:42: Morgen aus?

00:11:42: Eben Das ist wie das Dirigieren eines Orchesters, bei dem du die Instrumente manuell stimmen musst während des Stück schon läuft.

00:11:49: Sie beweist damit ein viel tieferes Verständnis für Mechanik als die meisten männlichen Fahrer, die bei einer Panne einfach den Mechaniker riefen.

00:11:59: und es wirft einen so grelles Licht auf kürlichs Doppelmoral.

00:12:03: Er tatso als hätte er Angst um brennende Röcke, lass uns dafür mal knapp zwanzig Jahre zurückspringen ins Jahr.

00:12:12: Ah, zu Gott liebt Daimler.

00:12:14: Genau!

00:12:14: Die Geburtsstunde des Motorrads der Reitwagen

00:12:17: ein extrem unbequemes Holzgestell mit Motor

00:12:20: und Daimlar ließ seinen Sohn Adolf die erste Testfahrt machen.

00:12:25: Das Verrückte war die Zündung Ein Glührohr

00:12:28: Ein offenes System das extrem heiß wurde.

00:12:31: Während der Fahrt schlugen buchstäblich Flammen aus dem Motorblock nach oben

00:12:35: direkt

00:12:36: zwischen den Beinen von Adolf Daimlor

00:12:38: Ein Hitzefeuerwerk.

00:12:39: Daher

00:12:39: kommt das Wort Feuerstuhl.

00:12:42: Die Männerwelt feiert zwanzig Jahre lang eine Maschine, auf der man auf einem feuerspeienden Holzblock reitet.

00:12:48: Aber zerbricht sich scheinheilig den Kopf über brennende Frauenrücke?

00:12:52: Die Sicherheit war nie das Primäreanlegen!

00:12:55: Es ging nur um Exklusion von Macht und Geschwindigkeit...

00:12:58: ...aber Reuschel ließ ich nicht ausschließen.

00:13:00: Im

00:13:01: Gegenteil – sie wollte bei den deutschen Damen die Lust am Fahren wecken…

00:13:04: Und das hat funktioniert.

00:13:06: schon Ein Jahr nach Stuttgart feierte Jotschrut Eisenmann Erfolge auf NSU-Maschine.

00:13:13: Euche hat die Tür eingetreten, sie wurde als erstes weibliches Mitglied überhaupt in die deutsche Motorradfahrervereinigung aufgenommen.

00:13:21: Den Vorläufer des heutigen ADAC Richtig

00:13:23: mit der Mitgliedsnummer Zweihundertzweih.

00:13:26: Sie war nun Teil des Establishments.

00:13:28: Also was bedeutet das alles für dich als Zuhörer heute?

00:13:33: Unsere Analyse zeigt, dass Innovation nie nur ein technisches Problem ist oder?

00:13:38: Absolut

00:13:39: nicht.

00:13:39: Pioniere wie Reuchel kämpfen an mehreren Fronten gegen die Grenzen der Physik und die Grenze der Gesellschaft.

00:13:46: Ein streikender Motor lässt sich reparieren

00:13:48: Aber gesellschaftliche Vorurteile erfordern ständige Konfrontation und immense psychische Widerstandskraft.

00:13:55: Das hast du schön gesagt.

00:13:57: Wir haben aber am Ende unseres Dossiers noch ein ungelöstes Rätsel.

00:14:00: Ja das Mysterium von

00:14:03: Nach diesem ganzen Triumph der Aufnahme in die Vereinigung, dem Leserbrief verschwindet Marie Reuschel einfach.

00:14:09: Die Archive werden stumm!

00:14:11: Keine Startlisten keine Zeitungsberichte mehr.

00:14:14: Und dieses Verschwinden provoziert doch eine tiefgehende Überlegung basierend auf dem was wir aus den Quellen wissen.

00:14:20: Genau Wir kennen ihr Plädoyer für die Beinkleider – die Hosen und wir wissen wie sehr die Gesellschaft Frauen in Hosen verabscheute.

00:14:28: Was ist also deine Theorie?

00:14:30: Denke mal darüber nach.

00:14:31: Verschwandt Marie Heuschel vielleicht aus den öffentlichen Registern, weil sie sich entschied lieber unerkannt und in Hosen weiterzufahren?

00:14:39: Statt sich im Rock weiterhin der ständigen Kritik der Männerweltpreis zu geben?

00:14:43: Ja!

00:14:44: Wurde der gesellschaftliche Druck keine Hosen zu tragen am Ende zur größeren Hürde als die steilsten Bergestutgards?

00:14:51: Ein unfassbar faszinierender Gedanke.

00:14:54: Die unsichtbaren Mauern der Gesellschaft waren zäher als die Technik.

00:14:58: Manchmal bremst einen eben die schiere Ermüdung aus, ständig um die eigene Daseinsberechtigung kämsen zu müssen.

00:15:05: Das ist definitiv ein Gedanke zum Weiterdröbeln!

00:15:07: Wenn du also das nächste Mal an einer Ampel stehst und jemand auf einem Motorrad seht...

00:15:11: ...in sicherer Kleidung den Helm tief ins Gesicht gezogen

00:15:15: dann Denke kurz an Freuline Reuschel.

00:15:17: Eingeschnürt im Korsett, die Prinz Heinrich Mütze auf dem Kopf in mitten von schlamm- und brüllenden Motoren.

00:15:24: Eine wahre Heldin der Mobilität!

00:15:25: Das war unsere historische Spurensuche vor heute.

00:15:28: Wir hoffen dieser Diebdive hat deinen Blick auf Technik und Normen etwas geschärft.

00:15:33: Bis zum nächsten Mal.

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