Fräulein Reuschel gibt Gas, Folge 4

Shownotes

In dieser Folge erzähle ich die faszinierende Geschichte von Wilhelmine Ehrhardt, die als erste Automobilistin Deutschlands nicht nur gegen schlechte Straßen, sondern auch gegen patriarchale Vorurteile kämpfte. Wir tauchen ein in eine Zeit, in der das Autofahren Männern vorbehalten war – und erleben, wie Wilhelmine mit Mut und Witz die Regeln bricht. Ich nehme euch mit in die Anfangsjahre der deutschen Automobilindustrie, zu Rennen, Pannen und überraschenden Erfolgen. Dabei erfahrt ihr, wie Skepsis gegenüber Frauen am Steuer zum cleveren Marketingtrick wurde und wie der Name Wartburg ein zweites Leben bekam. Lasst euch inspirieren von einer Frau, die nicht fragte, was erlaubt ist – sondern einfach losfuhr.

Sonja Ulrike Klug: Fräulein Reuschel gibt Gas (Paperback, E-Book) Kluges Verlag, 2025 <https://www.amazon.de/dp/3910321402>

Alle Bücher von Sonja Ulrike Klug <https://publishde.bookmundo.com/site/userwebsite/index/id/sonjaulrikeklug>

Transkript anzeigen

00:00:00: Stell dir vor, du kaufst dir ein sündhaft teures nagelneues Stück Hochtechnologie.

00:00:06: Du fährst damit stolz in die Berge um es deinen Freunden zu zeigen und merkst an der ersten echten Steigung plötzlich dass dein Gefährt da nur hochkommt wenn du wendest und die ganze Strecke im Rückwärtsgang fährsst.

00:00:20: Ja das ist aus heutiger Sicht natürlich ein völlig absurdes fast schon komisches Bild Aber in den Achtzehnhundertneunzigerjahren war das echt die brutale mechanische Realität.

00:00:31: Wahnsinn, oder?

00:00:33: Also wir kommen zu unserer heutigen tiefgehenden Analyse!

00:00:36: Wir wollen heute nämlich eine unglaubliche Geschichte auspacken.

00:00:40: Genau und zwar die von Wilhelmine R Hart – einer Frau, die quasi aus dem kollektiven Gedächtnis radiert wurde, obwohl sie die erste Automobilistin Deutschlands war.

00:00:51: Richtig.

00:00:52: Und alle Fakten, diese ganzen verrückten Details die wir heute besprechen, die stammen aus dem großartigen Buch Freulein Reuschel gibt Gas von Sonja Ulrike Klug

00:01:01: Ein wirklich faszinierendes Buch!

00:01:04: Weil... Diese frühen Autos hatten ja keine Kupplung im heutigen Sinn.

00:01:09: Die Getriebe waren absolute Experimente

00:01:12: Und der Rückwärtsgang war der stärkste.

00:01:13: Richtig?

00:01:14: Exakt!

00:01:15: Der Rückwärtgang bot bei vielen Modellen schlichtweg die einzige Übersetzung, die stark genug war um das schwere Auto so einen steilen Hang hochzuwuchten.

00:01:24: Das musst du dir mal vorstellen.

00:01:25: Du sitzt da in dieser stinkenden Benzinkutsche und fährst rückwärzt den Berg hoch.

00:01:30: Aber um zu verstehen wie Wilhelmine überhaupt in dieses Motorsport-Kaos reingezogen wurde müssen wir kurz nach Amerika schauen.

00:01:39: Ja, also Wilhelmine und ihr Mann Gustav, die lebten eigentlich in den USA.

00:01:44: In Pittsburgh!

00:01:44: Gustav hat da die aufkeimende amerikanische Autoindustrie studiert.

00:01:49: Und dann kam der Anruf vom Schwiegervater.

00:01:51: Genau Heinrich Erhardt Ein absoluter Patriarch ein knallhatter Selfmade-Millionär Der sich aus ärmlichsten Verhältnissen hochgearbeitet hat und in Zellermeles ein gigantisches Waffen-und Metallemperium führte.

00:02:07: Waffen?

00:02:07: Also Rüstungsindustrie.

00:02:09: Richtig, der hat Geschütze fürs Militär produziert.

00:02:12: Er hatte am Ende hundertundzwanzig Patente auf seinem Namen und als Agustav und Wilhelmine nach Deutschland zurückbeorderte Da war das keine familiäre Sehnsucht.

00:02:21: Nee, absolut nicht!

00:02:22: Der hatte nämlich ein Geheimprojekt.

00:02:24: Er plante eine hochgeheime massive Industrie-Expansion in Eisenach – Drümen Thüringen.

00:02:29: Und wie der das durchgezogen hat?

00:02:30: Also das erinnert echt an so feindliche Übernahmen von heute.

00:02:34: Der hat über Strommänner völlig verdeckt, ein riesiges Grundstück gekauft.

00:02:38: Niemand in Eisenacht durfte wissen was da passiert.

00:02:41: Ja... weil die etablierten Bürger dort… also Der Gewerbeverein, die sahen in so einer plötzlichen Industrialisierung eine massive Bedrohung.

00:02:50: Angst vor Arbeitern und Streiks oder?

00:02:52: Genau!

00:02:53: Wohnungsnot, explodierende Lebensmittelpreise – und vor allem eben organisierte Arbeiter.

00:02:59: Aber Heinrich Ehrhardt hat das einfach null interessiert….

00:03:02: …der hat Fakten geschaffen.

00:03:04: Also...das Buch beschreibt diesen elften August-August.

00:03:08: ist als würde ein Tech-Milliardär heute über Nacht eine Gigafactory in einen Dorf pflanzen.

00:03:14: unglaublicher logistischer Kraftakt.

00:03:16: Er ließ da einen Sonderzug nach Eisennachrollen mit zweihundert handverlesenen Arbeitern aus seinen anderen Werken.

00:03:23: Und die hatten die ganzen Maschinen schon dabei?

00:03:25: Alles!

00:03:26: Maschine, Werkzeuge vor Produkte und innerhalb von nur vierundzwanzig Stunden...

00:03:31: Vierundzwanzig Stunden das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

00:03:33: Ja in vierund zwanzig Stunden haben sie diese Maschine in den Hallen verschraubt und die Serienproduktion gestartet.

00:03:40: ein komplettes industrielles Pop-up an einem einzigen Tag

00:03:44: Echt irre.

00:03:45: Aber die haben am Anfang Fahrräder und Geschütze gebaut, nur um Autos zu bauen?

00:03:50: Da braucht man ja ein ganz anderes Know-how!

00:03:52: Eben – der Verbrennungsmotor war damals unberechenbare Spitzentechnologie.

00:03:57: Die RHZ wussten sie brauchen einen technologischen Shortcut

00:04:01: Und den haben Sie in Frankreich gefunden?

00:04:03: Richtig.

00:04:04: Frankreich war damals der absolute Vorreiter, sie haben die Lizenz der Marke Dekauville gekauft.

00:04:10: Gustav hat diese französischen Pläne, die noch luftgekühlt und extrem fehleranfällig waren dann für den deutschen Markt modifiziert.

00:04:17: Er hat eine Wasserkühlung eingebaut und das Chassis verstärkt.

00:04:21: Und ab achtzehnhundert achtund neunzig rollten diese Autos dann in Eisenach vom Band unter dem Namen Wartburg.

00:04:27: Aber ähm selbst mit diesen Verbesserungen Waren das echte mechanische Ungeheuer?

00:04:34: Also kein Zündschlüssel, kein Gaspedal.

00:04:38: Das Anlassen an der Kurbel war lebensgefährlich!

00:04:41: Wenn das Ding fehlzündete hat es dir den Arm gebrochen.

00:04:44: Oh Gott...

00:04:45: Und das Schalten oft über Riemenantriebe da musste man mechanisch einen Lederriemen von einer Scheibe auf die andere schieben.

00:04:53: Das hat geruckelt dass ist durchgerutscht besonders wenn's nass war.

00:04:57: und hier kommt jetzt Wilhelmine ins Spiel Weil du musst ja überlegen, wie verkaufst du so ein ruckeln des lautes Monster an reiche Leute die elegante Leisepferdekutschen gewohnt sind?

00:05:07: Heinrich wollte das über klassische Ingenieurs Demonstrationen machen.

00:05:12: Aber Wilhelmine wusste dass reicht nicht!

00:05:15: Sie hat angefangen potenziellen Kunden also passt nur Männern die Technik persönlich vorzuführen.

00:05:21: Sie hat sich ans Steuer gesetzt und für Werbeanzeigen posiert.

00:05:25: Und das bringt uns zu diesem unfassbaren Marketingkonzept, dem Idioten-Test!

00:05:31: Ja, das ist aus heutiger Sicht natürlich ein furchtbarer Begriff... Die Gesellschaft.

00:05:35: damals sprach Frauen ja pauschal jedes technische Verständnis ab.

00:05:39: Komplett?

00:05:40: Und die Werbebotschaft war ... Wenn eine Frau diese brüllende Maschine lenken kann, dann ist dieses Fahrzeug so nahrensicher dass es wirklich jeder Mann bedienen kann.

00:05:50: Also ich finde, das ist so ein riesiges Paradoxon.

00:05:52: Auf der einen Seite ist das extrem sexistisch Das Auto besteht quasi den Idioten-Test wenn eine Frau es fährt.

00:05:59: aber auf der anderen Seite

00:06:00: hat sie genau dieses Vorurteil subversiv genutzt

00:06:03: Genau!

00:06:04: Sie hat das System von innen gehackt um sich gegen ihren Schwiegervater durchzusetzen der das ja eigentlich gar nicht wollte.

00:06:10: Heinrich war komplett dagegen, er war Rüstungsproduzent.

00:06:14: sein Geschäfting von diskreten Beziehungen zum Militär ab eine Schwiegertochter die sich öffentlich in ölverschmierter Kleidung an Motoren zu schaffen macht war für ihn ein gigantisches Reputationsrisiko.

00:06:25: Der hatte Angst um seine Staatsaufträge?

00:06:27: Absolut aber Wilhelmine konnte das durchziehen weil Gustav hinter ihr stand und weil es einfach funktioniert hat.

00:06:34: Die Verkaufszahlen vom Wartburg sind gestiegen der Firma extrem wichtig.

00:06:39: Aber sie wollte ja nicht nur das hübsche Gesicht auf den Plakaten sein, sie wollte mehr!

00:06:44: Sie wollte die Grenzen testen und das ist eigentlich ihr größtes Vermächtnis – ihre Rolle als Pionierin des frühen Motorsports.

00:06:52: Man darf sich Motorsport um die Jahrhundertwende nur nicht wie heutige Formel I Rennen vorstellen.

00:06:57: Kein glatte Asphalt, ne?

00:06:58: Nee überhaupt nicht!

00:06:59: Diese frühen Rennen waren pure industrielle Forschung und Entwicklung – man musste beweisen dass der Motor nicht nach zehn Kilometern überhitzt, das die Hölzer in Speichenräder bei Schlaglöchern nichts zersplittern.

00:07:11: Ein Belastungstest auf Leben und Tod

00:07:13: Richtig.

00:07:14: Und der härteste Test war das Gebirge!

00:07:16: Die haben Bergrennen hoch zur echten Wartburg organisiert, das waren zehn bis zwölf Prozent Steigung – loser Schotter tiefe Spurrillen von Pferdekutschen.

00:07:26: Und wenn es geregnet hat, war das eine reine Rutschbahn?

00:07:29: Und die Bremsen haben oft nur auf die Hinterachse gewirkt, bergabfahren war fast schlimmer als bergauf.

00:07:35: und in dieser extremen Umgebung taucht Wilhelmine im Juni-Ninzehnhunderte das erste Mal auf bei der Fahrt von Nürnberg nach Kitzingen und zurück.

00:07:44: Hundertsechzig Kilometer

00:07:45: Da war sie aber noch Beifahrerin oder?

00:07:47: Genau, Beifahrerin und Mechanikerin neben Gustav.

00:07:51: Die beiden haben gewonnen was schon für Aufsehen gesorgt hat.

00:07:54: Aber ihr absoluter Höhepunkt der Sie in die Geschichtsbücher gebracht hat Der kam im August nineteenhunderteins

00:08:02: Die Gebirgsfernfahrt über den Thüringer Wald Von Eisenach hoch über Oberhof und zurück.

00:08:08: Und diesmal saß sie ganz allein am Steuer

00:08:10: In einem kleinen Wartburgmotorwagen mit exakt sechs PS.

00:08:14: Sechs PS!

00:08:16: Von vierzehn gemeldeten Autos haben sich überhaupt nur acht an den Start getraut und das Buch von Sonja Ulrike Kluck beschreibt es wie eine Materialschlacht, an den anderen Autos brechen buchstäblich die Achsen weg.

00:08:26: Gustav der auch mitgefahren ist in einem anderen Wagen ist auf einer schmalen Brücke frontal mit einem Pferdefuhrwerk kollidiert.

00:08:33: Wahnsinn!

00:08:34: Und man muss sich mal klarmachen, was sechs PS damals bedeuteten.

00:08:37: Die sind da vielleicht mit zwanzig kmh den Berg hochgeschlichen

00:08:40: Aber gleichzeitig – und das ist das Verrückte an dieser Ära – bauten die R-Hards schon Rennwagenprototypen, die auf flachen Strecken bis zu hundertzwanzigkmh schnell waren

00:08:51: Ohne Sicherheitsgurte.

00:08:53: Ja absolut tödlich wenn der auch nur ein Reifen platzt.

00:08:56: Also die Diskrepanz war riesig

00:08:58: Und Willemine ist genau da mitten hin.

00:09:00: Und dann kommt dieses epische Finale in Eisenach.

00:09:02: Sie liefert sich ein Kopf an Kopf-Rennen mit einem Firmenprokuristen,

00:09:06: der hatte zwischenzeitlich eine Reifenpanne hat aber wieder aufgeholt

00:09:09: und er hatte sechzehn PS unter der Haube.

00:09:11: Willemine zwingt diesen winzigen sechs PS-Wagen über diese zerfurchte Waldstraße.

00:09:17: das Lenkrad schlägt aus Staub und Öl im Gesicht!

00:09:21: Und dieser sechziehn PS Wagen brüllt neben ihr...

00:09:24: ...und sie hält dagegen und fährt als vierte über die Zielinie.

00:09:27: was für eine Fahrleistung.

00:09:29: Stell dir vor, du fährst im Go-Kart auf Schotter gegen einen Sportwagen und hältst mit.

00:09:33: Und die technische Bedeutung von diesem Rennen also kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

00:09:39: dass eine Frau diese Maschine physisch bändigen konnte Auf einem Terran das Pferde an ihre Grenzen brachte.

00:09:46: Das

00:09:46: war der ultimative Beweis oder?

00:09:48: Absolut!

00:09:49: Sie hat der Fachpresse und den Investoren demonstriert –das Konzept Automobil funktioniert.

00:09:55: Es ist alltäxtauglich und dem Pferd überlegen.

00:09:58: Das hat einen immensen Vertrauensvorschuss gebracht.

00:10:01: Sie wurde danach im Hotel Kaiserhof in Eisenach extrem gefeiert, mit Trinksprüchen überhäuft.

00:10:07: In späteren Lexiker stand sie offiziell als erster Automobilistin Deutschlands.

00:10:12: Sie war wirklich auf dem absoluten Zenit!

00:10:14: Ja

00:10:15: aber dann nimmt diese ganze Geschichte eine echt bittere fast schon tragische Wende Weil die Industrie, die sie damit aufgebaut hat, die Kante überhaupt keine Loyalität.

00:10:24: Wir sprechen vom Jahr drei.

00:10:27: Die Fahrzeugfabrik Eisenach war inzwischen eine Aktiengesellschaft.

00:10:31: Heinrich Erhard brauchte externes Kapital für das rasante Wachstum

00:10:36: Und hat die Kontrolle verloren?

00:10:37: Genau.

00:10:38: Banken haben im Aufsichtsrat die Macht übernommen, allen voran die Darmstetterbank und diese Banker interessierten sich nicht für Motorsport oder technische Perfektion.

00:10:48: Die wollten

00:10:48: Geld sehen!

00:10:49: Sofortige hohe Dividenden.

00:10:51: Gustav Erhardt der Direktor war wurde plötzlich behandelt wie ein unliebsamer Angestellter.

00:10:57: er durfte keine Investitionen mehr machen...

00:10:59: ...und dann ist das eskaliert.

00:11:01: Gustav hat die Wut entbrannt gekündigt und ist mit Wilhelmine aus Eisenach weggezogen.

00:11:07: Aber er war clever!

00:11:08: Sehr clever, er hat eine juristische Lücke genutzt.

00:11:12: Viele der wichtigen Patente und die Dekaville-Lizenzen liefen nämlich auf seinen persönlichen Namen – nicht auf die AG.

00:11:19: Er hat sie also einfach mitgenommen?

00:11:21: Richtig….

00:11:22: Und plötzlich standen die Banker da... Mit einer riesigen, modernen Fabrik hundert von Arbeitern aber ohne das rechtliche Recht den Wartburg weiterzubauen.

00:11:33: Die Bänder standen still – was für ein Albtraum für die Investoren!

00:11:37: Die mussten dann in Panik eine neue Lizenz kaufen?

00:11:40: und ein neues Auto unter dem Namen Dixie auf den Markt bringen.

00:11:43: Und das ist ein ganz wichtiges Detail für die deutsche Industriegeschichte!

00:11:48: Aus dieser Dixi-Produktion in Eisenach heraus hat sich später BMW eingekauft, so seine eigene Autogeschichte gestartet.

00:11:56: Während den Eisenach also quasi BMW aus der Asche entstand haben Gustav und Wilhelmine versucht im Zellermelis nochmal ganz neu anzufangen – sie haben ein neues Autowerk gegründet.

00:12:07: Aber die Weltgeschichte war gegen Sie….

00:12:18: Und

00:12:18: nach dem Krieg kam die Hydroinflation in den neunzehnhundertzwanziger Jahren.

00:12:23: Die hat ihr ganzes Kapital aufgefressen!

00:12:25: Sie haben nineteenhundertsiebenundzwanzig noch einen letzten verzweifelten Versuch gestartet, sie wollten auf Fließbandfertigung umstellen, um billige Autos für den Massenmarkt zu bauen so wie in Amerika.

00:12:38: Aber dann kam die Weltwirtschaftskrise.

00:12:41: Das Timing war katastrophal, das Projekt ist komplett kollabiert.

00:12:44: Das Werk musste für immer schließen – Die Familie hat ihr gesamtes Vermögen verloren!

00:12:49: Und es bricht einem wirklich des Herz, wenn man bedenkt was die beiden geleistet haben.

00:12:54: Sie waren Pioniere, sie haben eine ganze Industrie aufgebaut und am Ende verarmten sie komplett.

00:13:00: Sie sind neunzehnhundertsechsunddreißig zu ihrer Tochter nach Pforzheim gezogen

00:13:05: Und dort, im Februar in nineteenhundertvierzig bei einem verheerenden Bombenangriff der Allierten sind Gustav und Wilhelmine in den Trümmern ums Leben gekommen.

00:13:15: Ein grausames Ende!

00:13:17: Aber es zeigt diese unerbittliche Mechanik der Industriegeschichte.

00:13:22: Pioniere erschaffen mit enormem Risiko neue Technologien aber sobald der Markt reif ist übernehmen Finanzstrukturen die Kontrolle und die Erfinder werden zerrieben.

00:13:34: Aber es gibt noch eine letzte extrem ironische Wendung in dieser Geschichte.

00:13:38: Eine Poante, die kannst du dir eigentlich nicht ausdenken.

00:13:42: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das alte Werk in Eisenach – das ja von den Erhards gegründet wurde – enteignet.

00:13:49: Die sowjetische Militäradministration hat übernommen und die durften den Namen BMW aus rechtlichen Gründen bald nicht mehr benutzen.

00:13:58: Und als die DDR dann in den nineteenhundertfünfziger Jahren nach einem Namen für ihr neues Spitzenmodell suchte, da haben sie ausgerechnet den Namen gewählt.

00:14:06: Denn diese großbürgerliche kapitalistische Familie geprägt hatte ...

00:14:10: Den Wartburg!

00:14:11: Ist das nicht verrückt?

00:14:12: Ein Symbol ostdeutscher Ingenieurskunst, dass eigentlich aus einem kapitalisten Familiendrama stammt...

00:14:20: Und das bitterste Detail daran ist ja, als die DDR in den neuen Wartburg vom Bandrollen ließ, stammte fast keine Maschine mehr aus der Zeit der R-Haz.

00:14:31: Weil die Russen alles demontiert hatten?

00:14:33: Genau!

00:14:34: Als Reparationsleistung – die physischen Maschinen an denen Willemine vielleicht noch selbst gestanden hat – wurden in Züge verladen und tief in die Sowjetunion abtransportiert.

00:14:44: Alles Materielle was die R-haz aufgebaut hatte wurde restlos ausradiert.

00:14:49: Geblieben ist nur dieser Name, ein Name der von einem völlig neuen politischen System dann für eigene Zwecke genutzt wurde.

00:14:57: Wahnsinn!

00:14:57: Was wir eine Reise wie heute gemacht haben.

00:14:59: Von geheimen Fabriken über markhalsige Bergrennen bis hin zur Enteignung – Willamine R hat war definitiv viel mehr als nur ein Werbegesicht.

00:15:10: Sie war eine echte Pionierin die Vorurteile durchbrochen hat.

00:15:13: Absolut?

00:15:14: Und nochmal zur Erinnerung, diese ganze tiefgehende Recherche stammt aus dem Buch Freuland-Räusche gibt Gas von Sonja Ulrike Klug.

00:15:22: Es lohnt sich extrem

00:15:28: da mal reinzuschauen!

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