Zauberer des Zirkels - Wunder der Kathedralen - 2

Shownotes

Gab es für die Kathedralen des Mittelalters Baupläne?

In dieser Folge tauchen wir tief in das Rätsel des mittelalterlichen Bauens ein und decken auf, warum Europas monumentale Kathedralen scheinbar ohne schriftliche Pläne entstanden. Wir hinterfragen jahrzehntelange Annahmen der Forschung, entlarven Übersetzungsfehler und zeigen, wie Materialengpässe die Denkweise ganzer Baumeister-Generationen prägten. Gemeinsam entdecken wir, wie Baumeister mit Seil, Schnur und unfassbarem Vorstellungsvermögen architektonische Meisterwerke schufen. Wir laden dich ein, Geschichte mit neuen Augen zu sehen.

Das war eine weitere Folge von Zeitblicke – Geschichten, die Geschichte lebendig machen. Wenn dir diese Reise gefallen hat, folge dem Podcast für weitere Zeitreisen in vergangene Welten.

Diese Folge beruht auf dem Buch von Sonja Ulrike Klug: Zauberer des Zirkels. Kathedralen, Baupläne und die Kunst mittelalterlicher Baumeister. (Paperback, Hardcover, E-Book), Kluges Verlag, 2025

<[https://www.amazon.de/dp/3910321372>]

Weitere Bücher von Sonja Ulrike Klug:

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Transkript anzeigen

00:00:00: Ähm, stell dir mal vor du planst ein riesiges Bauprojekt heute.

00:00:04: Also setz dich einfach gedanklich zu uns hier an den Tisch!

00:00:07: Du bist quasi unser dritter Gesprächspartner bei dieser tiefgehenden Betrachtung.

00:00:11: Wenn wir heute bauen dann haben wir da doch sofort ganz bestimmte Bilder im Kopf oder?

00:00:16: Ja

00:00:16: absolut also.

00:00:17: man denkt direkt an Architekten die vor riesigen Bildschirmen sitzen

00:00:21: Genau und an hochkomplexe, digitale, drei-D-Modelle.

00:00:25: Ich meine da wird ja die Statik von wirklich jedem einzelnen Stahlträger im Computer berechnet noch bevor überhaupt der erste Bagger auf die Baustelle rollt!

00:00:34: Das ist ja alles komplett dokumentiert.

00:00:37: Alles in der Cloud gesichert sozusagen.

00:00:39: Richtig man hat da wirklich eine absolut lückenlose Kette von allerersten kleinen Skizze bis zur finalen Ausführung.

00:00:46: Aber und das ist das Thema, in das wir heute mal richtig tief eintauchen wollen.

00:00:51: Reisen wir gedanklich mal zurück ins Mittelalter.

00:00:53: Oh ja ein gewaltiger Kontrast!

00:00:55: Total.

00:00:56: Wir stehen da also vor diesen gigantischen Kathedralen die ragen ja oft weit über hundert Meter in den Himmel Und wir sehen dieses wahnsinnig feine Maßwerk der Fenster diese massiven Kreuzrippengewölbe und plötzlich fällt da etwas auf?

00:01:11: Etwas dass eigentlich da sein müsste aber komplett fehlt.

00:01:15: Genau das.

00:01:16: Wenn wir nämlich in unseren Archiven nach den Konstruktionsplänen suchen, also quasi nach den Blaupausen für diese riesigen Gebäude dann finden wir fast nichts.

00:01:25: Es ist ein regelrechtes historisches Vakuum.

00:01:28: und um dieses Rätsel heute mal komplett auseinanderzunehmen stützen wir uns auf wirklich erstaunliche Erkenntnisse und zwar stammen die aus dem Buch Zauberer des Zirkels von Sonja Ulrike Klug das zwei tausend fünfundzwanzig im kluges Verlag erschienen ist.

00:01:41: Ein wirklich faszinierendes

00:01:43: Buch Absolut.

00:01:44: Unsere Mission für heute ist es nämlich herauszufinden, wie Architektur für die Ewigkeit überhaupt entstehen konnte – scheinbar komplett ohne dass vorher jemand mal eine Skizze für das Gesamtwerk angefertigt hat?

00:01:58: Ja und um das überhaupt in seiner ganzen Tragweite begreifen zu können, da hilft vielleicht ein kurzer Blick auf eine Eignis, dass wir wahrscheinlich alle noch sehr präsent haben!

00:02:09: Du meinst den Brand von Notre Dame de Paris?

00:02:11: Genau im April als da dieser riesige hölzerne Dachstuhl, der sogenannte Wald in Flammen stand.

00:02:18: Und an dieser Führungsturm einbrach – dafürchtete die ganze Welt um dieses Monument!

00:02:24: Aber und das ist jetzt der springende Punkt?

00:02:26: Der Wiederaufbau war im Grunde schon in der Nacht des Brandes gesichert.

00:02:30: Echt?!

00:02:31: Wie das?

00:02:32: Wegen der drei D-Daten.

00:02:33: Richtig!

00:02:34: Experten hatten glücklicherweise schon Jahre vor diesem Unglück die komplette Kathedrale mit Leserscannern abgetastet.

00:02:41: Wir sprechen hier von Milliarden von Messpunkten.

00:02:44: Unglaublich!

00:02:45: Ja, eine gigantische Punktwolke.

00:02:47: Das ergab ein millimetergenaues hoch exaktes wissenschaftliches drei D-Datenmodell dieser Kirche.

00:02:54: Jeder noch so kleinere Mauerwerk, jede asymetrische Wölbung ist da quasi digital konserviert.

00:03:01: Man kann im Computer buchstäblich durch das Gewölbe fliegen.

00:03:03: Okay Ich meine, in Ordnung.

00:03:05: Wir haben heute also die Möglichkeit, die Realität perfekt virtuell abzubilden – aber das ist ja ein massiver Kontrast zum Leben der Menschen im Mittelalter!

00:03:15: Ein gewaltiger Unterschied, ja?

00:03:17: Wenn wir uns die Epoche der Gotik mal ansehen, dann sprechen wir nicht von irgendwelchen kleinen Holzhütten, die man ebenso nach Augenmaß hochzieht…

00:03:25: Nein überhaupt nicht...

00:03:26: Das war eine zeit extremer bautechnischer Innovation.

00:03:30: Plötzlich gab es viel breitere Kirchenschiffe, völlig neuartige Spitzbögen...

00:03:35: ...die dieser enormen Lasten abgeleitet haben.

00:03:38: Und riesige Fenster aus Glas und eben diese Türme mit über hundertzwanzig Metern Höhe!

00:03:44: Und man muss sich ja klarmachen, Brände waren damals durch Blitzeinschläge oder umgekippte Kerzen eigentlich an der Tagesordnung.

00:03:51: Absolut das passierte ständig.

00:03:52: Und trotzdem wir finden aus der Zeit vor dem dreizehnten Jahrhundert absolut keine Gesamt- oder Konstruktionspläne.

00:04:00: Da fragt man sich unweigerlich, wie haben die denn eine abgebrannte Fassade wieder aufgebaut oder ein neues Querschiff drangesetzt?

00:04:07: Wenn nirgendwo dokumentiert war, wie das statisch eigentlich funktionieren soll.

00:04:11: Das

00:04:11: ist wirklich der absolute Kern des Problems!

00:04:14: Trotz dieser explosiven technologischen Entwicklung gibt es diese Dokumente einfach nicht.

00:04:19: und wenn man sich jetzt mal ansieht was bekannte Bauhistoriker und Ingenieure der letzten Jahrzehnte dazu gesagt haben...

00:04:25: Also Leute wie Dietrich Konrad

00:04:28: Genau, Dietrich Konrad, Max Hasack, Konrad Hecht oder auch Jean-Gimpel.

00:04:33: Die gehen eigentlich alle ganz selbstverständlich davon aus dass Architekturzeichnungen zu jeder Zeit unerlässlich waren.

00:04:40: Ja logisch!

00:04:41: Für unseren modernen Verstand ist es ja auch völlig unvorstellbar so was ohne Plan zu bauen.

00:04:45: Richtig und deshalb lautet ihre Schlussfolgerung fast immer einhellig Es muss Tausende dieser Pläne gegeben haben.

00:04:52: Wenn wir die jetzt aber nicht in den Archiven haben, dann bleibt denen ja eigentlich nur die Erklärung, dass sie alle zerstört wurden oder durch Kriege, Wasser oder eben diese Stadtbrände.

00:05:01: Das

00:05:02: ist eine Theorie!

00:05:03: Eine andere sehr populäre Erklärungen der Forschung geht von einer bewussten Zerstörung aus.

00:05:09: Wie meinst du das?

00:05:10: Bewusst?!

00:05:11: Naja man argumentiert, dass die Baumeister diese Pläne nach Fertigstellung der Kathedrale schlichtweg weggeworfen haben.

00:05:17: Bitte... weggeworfen?

00:05:19: Ja Die Überlegung dabei ist, das Bauwerk steht dann nun massiv in Stein gemauert.

00:05:26: Es repräsentiert sich selbst – wozu sollte man also noch empfindliche alte Zeichnungen aufheben wenn das Original eh für alle sichtbar im Stadtzentrum steht?

00:05:35: Also Moment da muss ich aber direkt einhaken!

00:05:37: Das ergibt doch gar keinen Sinn!

00:05:39: Das ist ja im Grunde so als würde man heute ein hochkomplexes Smartphone zusammensetzen und wenn es funktioniert schmeißt man den Schaltplan dafür weg.

00:05:47: Ein sehr guter Vergleich.

00:05:48: Ich weiß doch, wenn ich eine kathedrale Baue das dieses Gebäude in fünfzig Jahren mal repariert oder erweitert werden muss?

00:05:57: Ich werfe doch nicht den Bauplan für so ein komplexes System einfach in den Müll nur weil es gerade funktioniert!

00:06:04: Da bin ich ganz bei dir

00:06:05: Ganz zu schweigen davon dass doch sicher auch andere Baumeister diese Pläne gerne kopiert hätten oder um in der Nachbarstadt was Ähnliches zu bauen.

00:06:13: Absolut.

00:06:14: Und genau diese Zweifel an der Wegwerftheorie sind auch extrem berechtigt.

00:06:19: Wir wissen ja, dass die mittelalterlichen Bauhütten untereinander stark vernetzt

00:06:22: waren!

00:06:23: Die haben ihr Wissen also geteilt?

00:06:25: Genau.

00:06:25: und dann gibt es noch einen weiteren Erklärungsversuch.

00:06:28: Der kam von Paul Buismus einem ehemaligen Münsterbaumeister in Freiburg.

00:06:33: Und was war seine Idee?

00:06:34: Er vertrat die These das beim Übergang von der Romanik zur Gotik massenhaft romanische Pläne systematisch vernichtet wurden Einfach weil der alte Baustil aus der Mode war und man für die neuen gotischen Zeichnungen Platz in den Archiven brauchte.

00:06:49: Aber warte mal, architektonische Epochen also so wie wir sie heute definieren das ist doch ein völlig modernes Konstrukt?

00:06:56: Ganz genau!

00:06:57: Die Leute im Mittelalter sind doch nicht eines Morgens aufgewacht und haben gesagt so leute Heute beginnt die Gotik zerreißt mal schnell alle romanischen Papiere.

00:07:05: Richtig

00:07:06: So lief dass nicht ab.

00:07:07: Für einen Baumeister Im zwölften Jahrhundert War doch so ein Spitzbogen kein plötzlicher Erpochenwechsel.

00:07:14: Das war eine bessere Technologie, um Lasten abzufangen und höhere Fenster zu bauen?

00:07:20: Es war einfach ein fließender technischer Fortschritt!

00:07:23: Eben – es ist völlig unlogisch alte statische Berechnungen zu verbrennen nur weil die Fenster jetzt spitzt zu laufen statt rund.

00:07:30: Und da sind wir am entscheidenden Punkt.

00:07:33: Wenn also all diese Theorien verbrannt weggeworfen wegen eines Stilwechsels vernichtet Wenn die alle solche logischen Lücken haben, dann bleibt eigentlich nur noch eine viel radikalere Schlussfolgerung übrig.

00:07:44: Und welche?

00:07:45: Das

00:07:45: ist genau die Kernthese von Sonja Ulrike Klug.

00:07:48: Sie sagt wir haben uns da jahrzehntelang komplett im Kreis gedreht weil wir einfach von der falschen Grundannahme ausgehen.

00:07:55: Was heißt das konkret?

00:07:56: Die Experten irren sich!

00:07:58: Die Pläne für diese riesigen Kathedralen vor dem dreizehnten Jahrhundert sind nicht verschollen oder verbrannt

00:08:03: sondern sie

00:08:04: haben schlichtweg nie existiert.

00:08:06: Warte, niemals existiert.

00:08:08: Aber Moment!

00:08:10: Wie kann man ein Bauwerk planen ohne es zu planen?

00:08:14: Das widerspricht doch unserem kompletten heutigen Verständnis von Struktur.

00:08:19: Das ist schwer das einfach so in Ordnung zu finden.

00:08:22: Wir haben doch Dokumente aus der Zeit.

00:08:24: Du denkst da wahrscheinlich an bestimmte Funde.

00:08:26: oder

00:08:26: Ja, zum Beispiel der berühmte Sankalana-Closterplan.

00:08:30: Der ist doch aus dem frühen neunten Jahrhundert!

00:08:32: Das ist doch der handfeste Beweis, dass man da sehr wohl großflächig gezeichnet und geplant hat.

00:08:39: Das ist ein Superpunkt weil dieser Plan oft als Gegenargument genannt wird.

00:08:43: aber wenn man genauer hinschaut stützt er Klugstese sogar noch.

00:08:47: Inwiefern das denn?

00:08:48: Er zeigt auch ein ganzes Closter

00:08:51: ja Aber dieser Plan, der um achthundertzwanzig entstanden ist Das war ein reiner Idealplan.

00:08:57: Was meinst du mit Ideal-Plan?

00:08:59: Es war eine rein konzeptionelle, fast schon theologische Vorstellung davon wie ein perfektes Kloster funktionieren sollte also wo die Mönche schlafen und das Bier gebraut wird wie nahe die Schreibstube an der Kirche liegt.

00:09:14: Ah!

00:09:14: Also eher so ein funktionales Konzept.

00:09:17: Ganz genau es war absolut keine bautechnische Vorlage.

00:09:21: Kein Steinmetz der Welt hätte sich vor dieses Pergament stellen können, um daraus den exakten Neigungswinkel für ein Dach oder die Tiefe eines Fundaments abzulesen.

00:09:30: Verstehe

00:09:31: ich.

00:09:31: Das war also keine Blaupause für die Baustelle?

00:09:34: Genau!

00:09:35: Es gab tatsächlich keine baubaren Entwurfspläne für Kathedralen.

00:09:39: und um das wirklich zu verstehen da müssen wir aufhören wie moderne Menschen zu denken.

00:09:45: Wir müssen uns die materielle Realität von damals anschauen

00:09:48: Also die Materialien, die man zum Schreiben hatte.

00:09:51: Richtig!

00:09:52: Überleg mal... Wenn du heute eine Idee hast was machst Du?

00:09:55: Naja ich zieh mir einen Blatt Druckerpapier aus dem Fach und skizziere einfach los.

00:10:01: Exakt, Papier ist für uns ein billiger Wegwerfer-Ticke.

00:10:04: aber still dir vor, du bist ein Baumeister im Jahr elfhundertfünfzig.

00:10:08: Worauf hättest du den zeichnen sollen?

00:10:10: Gute Frage... Gab's denn da kein

00:10:12: Papier?!

00:10:13: Noch nicht wirklich.

00:10:14: Diese Frage nach den sogenannten Beschreibstoffen ist eigentlich der wahre Schlüssel zu diesem Rätsel, lass uns mal kurz noch weiter zurückgehen in die Antike.

00:10:22: Zu

00:10:22: den Griechen und Rümmern?

00:10:23: Genau!

00:10:23: Die nutzten Papierus – das war wirklich ein fast perfektes Material für große Zeichnungen.

00:10:29: Es war flexibel, wahnsinnig leicht und vor allem billig in der Herstellung.

00:10:33: Das

00:10:33: kam doch aus Ägypten

00:10:34: oder?

00:10:34: Ja Und über diese gut ausgebauten antiken Handelsrouten kam es in riesigen Mengen nach Europa.

00:10:41: Papyrus hat die Verwaltung und auch die Architektur der kompletten antiken Welt am Laufen gehalten.

00:10:46: Und was ist dann passiert?

00:10:48: Der große Bruch kam im Mittelalter, durch politische Umweltsungen und die Ausbreitung des islamischen Reiches im Mittelmeerraum wurden diese Handelsrouten weitgehend abgeschnitten.

00:10:58: Spätestens ab dem elften Jahrhundert war Papyrrus in Zentraleuropa quasi komplett von der Bildfläche verschwunden.

00:11:05: Okay das heißt die Lieferkette für diesen massentauglichen billigen Stoff bricht komplett zusammen.

00:11:11: Genau!

00:11:12: Dann standen die Gelehrten und Baumeister Europas vor einem echten Problem, man musste ja auf etwas zurückgreifen was man direkt vor Ort produzieren konnte.

00:11:22: Und da landet man dann zwangsläufig bei den Tieren also bei Pergament.

00:11:27: Pergamente wurde der dominierende Ersatzstoff aber und das ist ganz wichtig es war in seinen Eigenschaften und vor allem in seinen Kosten das exakte Gegenteil von Papyrus

00:11:37: weil es aus Tierhäuten

00:11:39: Richtig.

00:11:40: Hauptsächlich Schafe, Rinder oder Ziegen.

00:11:43: und dieser Herstellungsprozess der war eine langwierige körperlich extrem harte Arbeit.

00:11:49: Wie wurde das denn gemacht?

00:11:50: Erstmal mussten die Fälle wochenlang in eine ätzende Kalklauge eingelegt werden

00:11:54: Nur damit die Haare abgehen?

00:11:56: Genau!

00:11:56: Damit sich die Haaren überhaupt vom Leder lösen.

00:11:59: Dann wurden die Nassen heute extrem straf in so Holzrahmen gespannt.

00:12:03: Dann hat man sie mit speziellen Messern abgeschabt und dann musste die Oberfläche in stundenlange Handarbeit mit Bimsstein- und Kreide geglettet werden, bis man überhaupt darauf schreiben

00:12:13: konnte.".

00:12:13: Das ist ja ein unglaublicher industrieller Aufwand!

00:12:18: Und das Material selbst?

00:12:19: Ich meine, das lief ja vorher quasi noch lebendig auf der Weide herum.

00:12:23: Im Mittelalter war so eine Kuh oder ein Schaf doch primär extrem wichtig als Nahrungsquelle für die Wolle oder als Zugtier für den Acker.

00:12:30: ne?

00:12:30: Ganz

00:12:31: genau!

00:12:31: Da konnte man doch nicht einfach eine komplette Herde abschlachten nur weil so einen kathedralen Baumeister mal eben dreißig Quadratmeter brauchte um einen ersten Entwurf für eine Turmfassade hinzukritzeln.

00:12:42: Das muss doch horrende Summenverschlungen haben.

00:12:45: Der finanzielle Wert von Pergament lässt sich mit heutigen Maßstäben wirklich kaum noch vergleichen.

00:12:50: Das war dermaßen kostbar, dass sich damals eine regelrechte Recyclingkultur entwickelt hat – die sogenannte Palimsest-Nutzung.

00:13:01: Ja genau!

00:13:02: Nichts wurde jemals unbedacht weggeworfen.

00:13:04: Wenn ein altes Dokument nicht mehr gebraucht wurde dann hat man getrocknete Tinte mit einem kleinen Schabemesser mühevoll wieder abgekratzt.

00:13:12: Oh, wow!

00:13:42: Technische Frage.

00:13:43: Welche?

00:13:44: Wir reden hier doch von echten Maßstabszeichnungen, also wenn ich so eine Kathedrale baue dann muss doch die Geometrie auf dem Papier exakt stimmen sonst stürzt mir später das ganze Kreuzrippengewölbe auf den Kopf.

00:13:56: Definitiv!

00:13:57: Aber so ne Tierhaut... Das ist doch ein organisches Material.

00:14:01: reagiert das nicht total extrem auf Umwelteinflüsse?

00:14:05: Da triffst du den Nagel auf den Kopf.

00:14:07: Das ist das absolute Kernproblem, dass Pergament völlig unbrauchbar machte.

00:14:12: Es ist nämlich stark hygroskopisch.

00:14:14: D.h.,

00:14:15: es zieht Feuchtigkeit an?

00:14:16: Genau!

00:14:17: Es reagiert extrem auf die Luftfeuchtigkeit.

00:14:20: Stell dir so eine mittelalterliche kalte und feuchte Bauhütte vor.

00:14:23: Mhm

00:14:24: Dann dehnt sich das Pergument plötzlich aus – es wird wellig und wirft Falten.

00:14:28: Und wenn dann am nächsten Tag die Sonne scheint und die Luft trockener wird, dann schrumpft diese Tierhaut wieder zusammen.

00:14:34: Und die Zeichnung darauf?

00:14:36: Die Tinte blätterte oft einfach ab, aber das Schlimmste war der komplette Maßstab war ruiniert.

00:14:42: Oh du meine Güte!

00:14:43: Eine Linie die du gestern exakt zwanzig Zentimeter lang gezeichnet hast, die war heute vielleicht nur noch neunzehnt Zentimeter lange.

00:14:50: Das heißt die physischen Dimensionen von so einer Zeichnung verändern sich ständig.

00:14:54: Pergament für einen Millimeter genauen Bauplan zu nutzen wäre also im Grunde so als würde man versuchen eine Baukonstruktion auf ein feuchtes Gummiband zu zeichnen dass ich permanent verzieht.

00:15:04: Exakt

00:15:05: Ein Gummiband, das obendrein so teuer ist wie ein Auto.

00:15:08: Ein fantastischer Vergleich!

00:15:10: Und das ist leider noch nicht alles.

00:15:12: Es gibt noch ein Problem?

00:15:13: Naja...

00:15:14: Wenn du einen geometrischen Bauplan erstellen willst brauchst du zwingend Kreise und Bögen.

00:15:20: Der mittelalterliche Baumeister hat also extrem viel mit dem Reißzirkel gearbeitet.

00:15:24: Ja

00:15:25: logisch

00:15:25: Auf unserem modernen Papier ist es ja auch kein Problem.

00:15:28: Aber wenn du jetzt diese harte spitze Metallnadel von so einem Reiß-Zirkel auf ein Pergament setzt Das ja ohnehin unter extremer Spannung steht.

00:15:36: Ah, ich ahne es!

00:15:37: Dann ziehst du sogenannte Blindrillen.

00:15:40: Diese Rillen wirken auf dem Pergament wie ein Messerschnitt.

00:15:43: Bei der kleinsten falschen Bewegung reist das Material auf und dein extrem teures Pergument ist komplett zerstört.

00:15:50: Erstaunlich... Die Forschung hat auch gezeigt dass die ganz wenigen architektonischen Linien, die wir tatsächlich auf sehr frühen Pergamente finden völlig frei händig gezogen wurden.

00:16:02: Man hat sich da nur an winzigen, ganz vorsichtig gesetzten Einstichpunkten orientiert.

00:16:06: Also ein echtes Konstruieren mit einem durchgehenden Zirkelschlag war auf Pergament schlicht unmöglich?

00:16:12: Richtig!

00:16:13: Das ist wirklich erstaunlich.

00:16:14: wir nehmen unsere heutigen Werkzeuge so extrem selbstverständlich hin dass uns irgendwie völlig das Gefühl dafür fehlt wie stark das Material das Denken der Menschen damals diktiert hat.

00:16:24: Wir vergessen das Material einfach oft.

00:16:26: Aber das wirft bei mir gleich die nächste Frage auf.

00:16:28: Irgendwann tauchen in der Geschichte ja dann doch Baupläne auf.

00:16:31: Das heißt, das muss ja mit der Erfindung von etwas Besserem zusammenhängen.

00:16:35: Wann genau kam denn eigentlich das Papier nach Europa?

00:16:38: Das war ein erstaunlich langwieriger Prozess!

00:16:41: Das Papier kam erst so im zwölften Jahrhundert auf den europäischen Kontinent und zwar über das muslimisch geprägte Spanien.

00:16:50: Okay also relativ spät... Ja

00:16:52: und selbst dann hat es sich nicht sofort durchgesetzt.

00:16:55: Es gab nämlich massive ideologische Vorbehalte dagegen.

00:16:59: Ideologisch?

00:17:00: Wieso

00:17:00: das?!

00:17:01: Der christliche Klerus und der war ja nun mal der Hauptauftraggeber für diese riesigen Kirchen.

00:17:06: Er lehnte Papier strikt ab!

00:17:08: Petrus venerabilis, das war der sehr einflussreiche Abt von Cluny – er hat Papier ganz offen diffamiert.

00:17:15: Als was denn?

00:17:16: Er nannte es den Beschreibstoff der Ungläubigen.

00:17:19: Oh!

00:17:20: Ja... Weil es eben aus dem islamischen Kulturraum importiert wurde und dort unter anderem genutzt wurde, um den Koran niederzuschreiben, galt es im christlichen Europa oft als schlichtweg unrein.

00:17:31: Das heißt die Akzeptanz von so einem eigentlich völlig überlegenden Material scheiterte erstmal an tiefsitzenden religiösen Vorurteilen?

00:17:41: Ganz genau!

00:17:42: Unglaublich!

00:17:43: Wann ist diese Hürde denn dann endlich

00:17:46: gefallen?!

00:17:46: Das dauerte wirklich noch bis ins XIV.

00:17:49: und dann vor allem ins XV.

00:17:50: Jahrhundert?

00:17:51: In dieser Zeit hat man angefangen, Papier in Europa im großen Stil selbst herzustellen.

00:17:57: Und zwar aus alten Lumpen also aus Textilrechten... Ah!

00:18:00: Die Papiermühlen!

00:18:02: Richtig die Papier-Mühlen schossen damals überall aus dem Boden ...und durch diese neue Produktionstechnik fiel der Preis massiv in den Keller.

00:18:10: Es wurde massentauglich

00:18:11: Ja Plötzlich kostete es nur noch einen Bruchteil von Pergament.

00:18:15: Es verzog sich bei Feuchtigkeit nicht mehr so extrem, man konnte problemlos mit Zirkeln darauf arbeiten und es war endlich für alle

00:18:22: erschwinglich.".

00:18:23: Und genau an diesem Punkt fügen sich jetzt diese historischen Puzzleteile perfekt zusammen!

00:18:30: Dieses viel beschworene Vakuum in dem wir angeblich alle Baupläne durch Brände verloren haben – das entspricht zeitlich exakt der Erad dieser Materialkrise

00:18:41: Exakt.

00:18:42: Der Papierus war weg, Pergament war astronomisch teuer und technisch einfach eine Katastrophe für Maßstäbe – und das Papier war anfangs nicht akzeptiert!

00:18:51: Sonja Ulrike Quug hat da völlig recht.

00:18:54: Sobald billiges Papier verfügbar wurde, explodierte plötzlich die Zahl der Zeichnungen.

00:19:00: Es gibt kein tragischen Verlust durch Unachtsamkeit.

00:19:03: Es ist einfach die logische Konsequenz aus dem Feelen eines nutzbaren Beschreibstoffs.

00:19:08: Wir haben da ein technologisches Fenster von mehreren Jahrhunderten, in dem es dieses Material einfach nicht gab.

00:19:14: Aber und jetzt kommt für mich eigentlich das größte Rätsel an dieser ganzen Geschichte.

00:19:19: Schießlos!

00:19:19: Wenn diese genialen Baumeister weder Papyrus noch Pergament noch Papier hatten... wie haben die das denn gemacht?

00:19:27: Tja

00:19:28: Ich meine eine hundertzwanzig Meter lange Kathedrale mit Streberpfeilern und Hunderten von Statuen.

00:19:33: Das baut man ja nicht mal eben so ausm Gedächtnis.

00:19:36: ne Wir haben die Details geplant und vor allem wir haben diesen riesigen Grundriss angelegt.

00:19:43: Für die Detailplanung nehmen wir mal die komplexe Schnittführung von den Steinen für ein Fensterprofil, da hat man sich mit formstabilen harten Materialien beholfen.

00:19:51: Holz

00:19:51: oder so?

00:19:52: Genau!

00:19:52: Man nutzte Holzschablonen oder man ritzte die Linien im Maßstab eins zu eins direkt in Stein

00:19:57: In Stein geritzt?

00:19:58: Ja,

00:19:58: es gibt faszinierende Funde von solchen Ritzzeichnungen.

00:20:01: Zum Beispiel auf den massiven Steindächern von antiken Tempeln wie in Ethu in Ägypten aber eben auch im europäischen Mittelalter.

00:20:08: Manche Kathedralen haben sogenannte Reisböden.

00:20:11: Was ist das?

00:20:11: Das sind riesige Gips oder Steinflächen direkt in den Bauhütten oder auf dem Boden der Kirchen selbst.

00:20:18: Da hat man mit dem Zirkel die geometrischen Formen in Originalgröße eingeritzt!

00:20:24: Das is ja praktisch.

00:20:25: Und für den schnellen Gedanken zwischendurch, so als Notizzettel, da nutzte der Baumeister einfache Wachstäfelchen.

00:20:32: Die konnte er danach einfach wieder glatt streichen.

00:20:35: Gut, verstehe!

00:20:36: Das erklärt wie die einzelnen Bauteile funktioniert haben?

00:20:40: Wenn ich den Radius von einem Bogen brauche, ritze ich ihn in den Gips und der Steinmetz legt seinen Block direkt darauf.

00:20:47: Genau.

00:20:48: Aber was ist mit dem ganz großen Ganzen, dem Grundriss?

00:20:51: Man kann ja schlecht eine Ritzzeichnung von hundert Metern Länge auf einer Gipsplatte anfertigen.

00:20:56: Wie haben die denn sichergestellt, dass das Querschiffparallel verläuft oder die Mitte exakt stimmt?

00:21:02: Der Grundriß wurde eben nicht im Maßstab eins zu Hundert verkleinert auf einem Tisch entworfen.

00:21:07: Er entstand direkt draußen – auf der Baustelle selbst!

00:21:10: Im Maßstabe eins zu Eins.

00:21:13: Direkt auf den

00:21:13: Boden?!

00:21:14: Ja Das ist im Grunde das, was wir heute als Abstecken bezeichnen.

00:21:18: Aber es war hochkomplexe angewandte Mathematik!

00:21:21: Sie nutzten einen System aus Holzflöcken, gespannten Hanfschnüren und gigantischen hölzernen Zirkeln... Sie nutzten Geometrie auf Basis von Proportionen.

00:21:45: Für einen exakten rechten Winkel haben sie das Prinzip des pythagoräischen Triples verwendet.

00:21:51: Also A² plus B² gleich C²?

00:21:55: Genau, das haben sie mit einer sogenannten zwölf Knotenschnur umgesetzt.

00:22:00: Das ist ein Seil mit exakt gleichen Abständen also Knoten dass dann zu einem Dreieck aufgespannt wurde Mit den Seitenlängen drei vier und fünf

00:22:11: Und das ergibt dann logischerweise immer einen perfekten rechten Winkel.

00:22:15: Exakt!

00:22:16: Um Symmetrie zu erzeugen, hat man einfach einen zentralen Flock in den Boden geschlagen ein Seil in der gewünschten Länge dran befestigt und den Radius abgeschritten.

00:22:26: Dabei wurde der Bogen direkt im Erdboden markiert.

00:22:29: Das ist unglaublich.

00:22:30: Die Kathedrale wuchs also gar nicht aus einer zweidimensionalen Papierskizze heraus.

00:22:35: Sie wurde direkt aus dem Baugrund selbst geometrisch entwickelt.

00:22:40: Sie dachten und planten komplett im Maßstab eins Punkt Eins, direkt in realem Raum.

00:22:44: Das wirft mein komplettes Bild vom Architekten völlig über den Haufen!

00:22:49: Aber wenn diese direkte Planung am Bau eigentlich so offensichtlich ist – besonders bei der Materialknappheit Warum waren dann Generationen von hochgebildeten Bauhistorikern so felsenfest davon überzeugt, dass es diese Schreibtischpläne gegeben haben muss?

00:23:06: Woher kommt dieser gigantische Irrglaube in der Wissenschaft.

00:23:10: Oh, das ist vielleicht die spannendste Wolte an der ganzen Geschichte!

00:23:14: Der Ursprung dieses Missverständnisses führt uns zurück zu einem ganz simplen Übersetzungsfehler.

00:23:19: Ein Übersetzungsehler?

00:23:20: Von

00:23:20: wem?!

00:23:21: Viele klassische Bauhistoriker stützen sich ja auf die Schriften von Vitruv... Das war der berühmteste Antike-Architekt.

00:23:28: Sein Werk galt über Jahrhunderte als die absolute Bibel der Baukunst.

00:23:33: Und jetzt haben neuzeitliche Gelehrte Vitruv's lateinische Texte übersetzt.

00:23:37: Dabei stießen sie auf Begriffe, die in der Antike eigentlich ganz wörtlich handfeste Anordnungen und Markierungen direkt auf dem Baugelände beschrieben haben.

00:23:46: Die

00:23:49: machten aus diesen physischen Handlungen auf der Baustelle fälschlicherweise Zeichnungen auf dem Zeichenbrett.

00:23:55: Das ist ja wirklich unglaublich.

00:23:57: D.h.,

00:23:57: wir haben über Jahrhunderte die Baugeschichte völlig falsch interpretiert, nur weil moderne Akademiker es sich in ihrer Lebensrealität einfach nicht mehr vorstellen konnten ihren Becreme schreibtisch zu verlassen und sich im Matsch die Hände schmutzig zu machen?

00:24:09: Im Grunde Ja – das is ein klassischer Fall von kognitiver Verzerrung!

00:24:13: Die Gelehrten haben ihre eigene technologische Realität in der Papier-Im-Überfluss daes einfach retrospektiv in die Vergangenheit projiziert.

00:24:21: Sie konnten das Konzept einer Welt ohne Papier schlichtnicht fassen

00:24:24: Genau.

00:24:25: Und das Faszinierende ist, wenn wir den europäischen Raum mal kurz verlassen dann stellen wir fest dass dieses Phänomen eigentlich universell ist.

00:24:35: Wie meinst du das?

00:24:36: Finden wir es auch in anderen Kulturkreisen?

00:24:39: Absolut!

00:24:41: Blicken wir mal auf die blühte Zeit der islamischen Architektur Wenn wir uns diese großartigen Moscheen mit Resen und Paläste ansehen, die so zwischen dem achten-und vierzehnten Jahrhundert in Nordafrika oder im Nahen Osten entstanden sind?

00:24:55: Da stehen die Baumforscher vor exakt demselben Rätsel.

00:24:58: Da gibt es auch keine Baupläne?

00:25:00: Keine Pläne!

00:25:02: Keine kleinmaßstäblichen Zeichnungen – und das in einer Kultur, die Europa damals in Geometrie, Mathematik und Astronomie weit überlegen war.

00:25:11: Erstaunlich

00:25:12: Der Grund ist einfach derselbe, es fehlte an einem visuellen Notationssystem auf billigem massenhaft verfügbaren Material.

00:25:20: Die Baumeister im mittelalterlichen Europa und ihre Zeitgenossen in der islamischen Welt teilten exakt dieselbe Arbeitsweise.

00:25:28: Sie dachten nicht auf dem Papier – sie dachten in Steinen, Schnüren und Proportionen direkt am Objekt!

00:25:35: Das wirft wirklich ein vollkommen neues und ja, fast schon erfurchtgebietendes Licht auf diese Menschen.

00:25:41: Wir neigen ja heute in unserer Welt oft dazu die Vergangenheit so durch unsere Brille zu betrachten – und die Leute von damals fast schon herablassend zu bewerten!

00:25:50: So nach dem Motto Ha ha, die hatten ja nicht mal

00:25:52: Papier.".

00:25:53: Genau das ist die große Lektion hier….

00:25:55: Dieses scheinbare Vakuum an Plänen?

00:25:58: Ist kein tragischer Verlust den wir betrauern

00:26:00: müssen?!

00:26:01: Es ist ein perfekter Spiegel der ökonomischen Zwänge und der Realität jener Zeit.

00:26:07: Die wahre Genialität dieser Baumeister bestand eben nicht darin, schöne Zeichnungen anzufertigen.

00:26:13: sie bestand darin diese statisch auch komplexen Meisterwerke völlig ohne Blaupausen zu erschaffen.

00:26:19: dieses enorme räumliche Vorstellungsvermögen Ein Gewölbe in vierzig Metern Höhe nur mit Flöcken am Boden und im eigenen Kopf zu koordinieren.

00:26:28: das sprengt eigentlich all unserer heutigen Maßstäbe.

00:26:31: Das lässt diese Kathedralen für mich wirklich in einem noch viel beeindruckenderen Licht erscheinen.

00:26:36: Wir haben heute gelernt, dass die Erbauer den Zirkel eben nicht fein säuberlich auf teures Pegament angesetzt haben um irgendwelche Theorien zu zeichnen.

00:26:46: sie haben ihn direkt in die Erde gesetzt.

00:26:48: Fysisch gelebte Geometrie!

00:26:50: Genau.

00:26:51: und das bringt mich zu einem letzten Gedanken den ich dir lieber Zuhörer zum Abschluss dieser tiefgehenden Analyse noch mit auf den Weg geben möchte.

00:26:59: Wir haben ganz am Anfang über Notre Dame gesprochen.

00:27:02: Über die drei D-Scans?

00:27:03: Richtig!

00:27:04: Über diese Milliarden von Messpunkten, diese perfekten Millimeter genauen Daten... ...die wir heute so wahnsinnig stolz in der Cloud speichern.

00:27:14: Wir sind ja fest davon überzeugt dass wir unser Wissen damit lückenlos für die Ewigkeit dokumentiert haben.

00:27:20: Wir fühlen uns sehr sicher damit hier.

00:27:22: Wir glauben wirklich wir hätten das Problem gelöst.

00:27:25: Aber überleg mal.

00:27:27: Was passiert eigentlich, wenn in dreihundert oder fünfhundert Jahren unsere heutigen Datenformate schlichtweg nicht mehr lesbar sind?

00:27:35: Ein gruseliger Gedanke!

00:27:37: Wenn die Schnittstellen veraltet sind, die Serverfarmen verstaubt, die Festplatten zerstört und das digitale Pergament unserer Zeit unentschlüsselbar geworden ist.

00:27:47: Werden die Historiker der Zukunft dann vielleicht vor den Überresten unserer Wolkenkratzer stehen sich ratlos am Kopf kratzen und urteilen?

00:27:54: Mensch!

00:27:55: Die müssen im einundzwanzigsten Jahrhundert völlig ohne Pläne gebaut haben.

00:27:58: wir finden ja absolut nichts in ihren Archiven.

00:28:01: Eine wunderbare Frage zum Nachdenken.

00:28:04: Es lohnt sich eben immer die eigene technologische Überlegenheit kritisch zu hinterfragen und die Perspektive mal zu wechseln.

00:28:11: Wir danken dir, dass du heute mit uns am Tisch saßt und in dieser erstaunliche Geschichte abgetaucht bist!

00:28:17: Bis zum nächsten Mal wenn wir wieder gemeinsam in die Tiefe gehen und alte Gewissheiten auf den Kopf stellen.

00:28:23: Mach's gut.

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